Erschienen in A&D KOMPENDIUM 2000, S. 104-105
Vorwort Software ist zu einem zentralen Bestandteil moderner Automatisierungstechnik geworden. Mit Software werden komplexe Abläufe programmiert und zunehmend unübersichtlich werdende Projekte bearbeitet. Der Zeitaufwand zur Zusammenführung und Organisation der unterschiedlichsten Programme in einem Gesamtprojekt darf dabei nicht unterschätzt werden. Mit MXChange stellt Mitsubishi Electric ein Produktivitätstool vor, das auf einfache, jedoch effiziente Weise die verschiedenen Programme integriert. Durch die konsequente Nutzung von Datensynergien und graphischen Projektübersichten läßt sich bei Einsatz dieses Werkzeugs ein erhebliches Einsparungspotential realisieren.
Automatisierungsprojekte sind durch die Möglichkeit des Einsatzes moderner Technologien immer komplexer geworden. Dezentrale Automatisierungsarchitekturen, über Netzwerke verteilte Intelligenz, Einbindung aller Automatisierungskomponenten von der Visualisierung bis hin zum einfachen Aktuator/Sensor - all dies ist heute bei industriellen Anwendungen tägliche Praxis.
Der ständige Begleiter dieser Lösungen sind eine Vielzahl komplexer Softwarepakete zum Projektieren, Programmieren und Parametrisieren. Die Komplexität der Projekte hat dazu geführt, daß die Kosten für das Engineering und die Inbetriebnahme rasant gestiegen sind. Verursachte dieser Posten 1980 etwa 40% der Projektkosten, so schlägt sein Anteil 1997 bereits mit etwa 65% zu Buche (s. Abb1).
(Abb.1)
Im gleichen Zeitraum ist die Hardware wesentlich leistungsfähiger und kostengünstiger geworden. Ein weiterer, drastischer Preisverfall ist in diesem Bereich daher nicht mehr zu erwarten. Weitgehend ungenutzt ist dagegen das Einsparpotential, das sich durch einfachere, schnellere und effizientere Abläufe bei Engineering und Inbetriebnahme realisieren läßt. Um den Anwender an dieser Stelle optimal zu unterstützen, bietet Mitsubishi Electric mit seinen MELSoft-Produkten leistungsfähige Softwaretools, die bei Automatisierungsprojekten einen echten Produktivitätszuwachs erbringen. Unter der Marke MELSoft werden derzeit folgende Programme zusammengefaßt:
* MELSEC MEDOC plus - das leistungsstarke Programmierpaket nach IEC 1131 * Profimap - für die schnelle Konfiguration von Profibus Netzwerken * Mac Programmer + - das komfortable Programmiertool für MAC Bediengeräte * MX Scada - die umfangreiche SCADA Visualisierungssoftware
Jedes Programm für sich bietet dem Anwender bereits ein Höchstmaß an Bedienkomfort und Unterstützung zur Realisierung der einzelnen Automatisierungsaufgaben. In der Praxis werden zur Realisierung von komplexen Automatisierungsprojekten stets mehrere dieser Programme eingesetzt.
Das Handling komplexer Automatisierungsprojekte
Ein Projekt ist meistens in Teilprojekte, verschiedene Abschnitte und Ebenen zerlegt. Alle „Bausteine“ werden mit diversen Softwarepaketen parallel bearbeitet. So unterschiedlich die dabei eingesetzten Tools auch sein mögen - gemeinsam ist allen Programmen, daß für jedes einzelne Teilprojekt Variablen und Adressen jeweils gesondert vergeben werden müssen. Nach der Erstellung der Teilprojekte erfolgt danach die Zusammenführung zu einem Gesamtprojekt. Dieses bedeutet zusätzlichen Zeitaufwand für die „Integration“ der einzelnen Adressierungen, Netzwerkparameter und Variablen. Mit der Anzahl der Benennungen steigt gleichzeitig die Fehlerhäufigkeit. Zudem geht die Übersicht über den Datenbestand gänzlich verloren. Unter der Überschrift „MXChange, der evolutionäre Weg der Software-Integration“ hat Mitsubishi Electric zur Hannover Messe 1998 ein leistungsfähiges Programm vorgestellt, das genau an dieser Stelle ansetzt. Mit MX-Change ist ein Softwaretool entwickelt worden, das auf einfache Weise, quasi im Hintergrund, die bestehenden Programmiersoftwarepakete miteinander verbindet. Transparenter Datenaustausch und eine Übersicht über das Gesamtprojekt vereinfachen das parallele Bearbeiten der Teilaufgaben und die Durchführung eventuell notwendiger Korrekturen erheblich. MXChange ist damit die zentrale Schnittstelle für MELSoft-Programmiertools.
(Abb. 2)
MXChange im Detail
MXChange ist als effizientes Programmierwerkzeug für den Anwender konzipiert. Daher ist der Einstieg schrittweise möglich und zudem sehr einfach. Die Funktionalität der Software kann zum einen genutzt werden, wenn alle Pakete auf einem Rechner installiert sind. Besonders deutlich wird der Produktivitätszuwachs jedoch dann, wenn MXChange auf mehreren, über TCP/IP vernetzten PCs eingesetzt wird. Denn dann wird aus einzelnen, isolierten Anwendern, die parallel „ihre“ Projekte bearbeiten, plötzlich eine Arbeits-Gruppe, die mit Unterstützung von MXChange ein Gesamtprojekt realisiert. Im Gesamtprojekt müssen alle Adressen und Variablen nur einmal definiert werden und stehen dann allen Programmen über eine zentrale Datenbank zur Verfügung. Es ist dabei vollkommen egal, an welcher Stelle die Daten eingegeben werden. Alle Eingaben werden im Hintergrund automatisch verwaltet. Die Vorteile liegen auf der Hand: bei der hohen Anzahl von Variablen und Adressen, die ein Projekt beinhaltet, wird der Programmieraufwand erheblich verringert. Aber mehr noch: fehlerhafte Eingaben werden limitiert und Änderungen in Adressen und im Variablenbereich werden an allen definierten Stellen automatisch aktualisiert. Dies macht sich besonders in Form reduzierter Inbetriebnahmezeiten bezahlt. Ein weiteres wichtiges Feature ist die Im-/Export-Funktion für andere Datenbankformate, wie zum Beispiel Excel. Damit ergeben sich zum einen erweiterte Möglichkeiten im Rahmen der Projekt-Dokumentation. Zum anderen wird ein sehr komfortables Bearbeiten von Datenbanken in anderen Formaten ermöglicht. Praktische Anwendungen liegen hier im Datenaustausch mit CAD Programmen oder Projektierungsprogrammen (z.b. E-Plan). Die Projektorganisation wird vom „Super Project Manager“ (SPM, s. Abb 3) übernommen, der zudem einen graphischen Überblick über das Gesamtprojekt bietet. Alle erstellten Teilprojekte, also z.B. SPS-Programme, Netzwerkkonfigurationen und SCADA- oder HMI-Programme, werden mit dem Super Project Manager verbunden. Ähnlich wie beim Windows-Explorer können alle Komponenten verschoben, kopiert oder auch dupliziert werden. Durch das Anklicken einer Komponente werden alle Details aus der Datenbank dargestellt. Mit dem SPM kann so ohne großen „Programmierbalast“ auf einfache Weise ein Gesamtprojekt strukturiert werden, ohne daß der Überblick verloren geht. Die Baumstrukturen des SPMs sorgen ferner dafür, daß sich auch neue Projektmitglieder schnell in das gesamte Projekt einarbeiten können. Gleichermaßen gilt dies ebenfalls, wenn ein bereits erstelltes Projekt zu einem späteren Zeitpunkt weiterbearbeitet wird.
(Abb. 3)
Wie geht es weiter mit MXChange?
Trotz der vielfältigen Möglichkeiten und des damit realisierbaren Zugewinns an Produktivität, setzt dieses Tool bewußt auf bestehende Softwarepakete auf. Ferner ist es so ausgelegt, daß in ihm auch die zukünftigen Softwarepakete integriert werden können. Und das ohne jegliche Einschränkung der Funktionalität. Damit ist diese Software zugleich eine evolutionäre, als auch eine zukunftsorientierte Lösung, die die Programmkompatibilität aller MELSoft-Pakete gewährleistet. Doch die Planungen gehen noch darüber hinaus: da die Softwarelandschaft in den Unternehmen immer vielfältiger wird hat man sich dazu entschlossen, die Integrationsmöglichkeiten zu erweitern. Zu diesem Zweck hat man ein offenes Interface beschrieben, mit dem beim Anwender verfügbare Programme von Fremdherstellern Anschluß an die Funktionalität des transparenten Datenaustausches erhalten. Wird diese Schnittstelle in ein solches Progamm implementiert, so kann direkt auf MXChange mit all seinen Möglichkeiten zugegriffen werden. Damit stellt Mitsubishi Electric nicht nur die Investitionen und das eingebrachte Know-How der eigenen Anwender sicher, sondern bietet Produktivitätszuwächse auch für die „Noch-Nicht-Kunden“.
Zusammenfassung
MXChange ist ein neues Werkzeug für das integrierte Handling von Adressen und Variablen bei großen Automatisierungsprojekten. Während Mitsubishi Electric bei ihren bisherigen Softwareentwicklungen stets den Zugewinn an Komfort und Effizienz für den Einzelnutzer im Auge hatte, liegt der Focus bei diesem Produkt nunmehr auf dem Stichwort ‘Workgroup Computing’. Statt dem Anwender ein Umlernen auf neue Programmiertools, ein Umschreiben von bestehenden Programmen oder eine Investition in neue Softwarepakete abzunötigen, baut MXChange„nur“ die bereits bestehenden Funktionalitäten aus. Insofern ist es ein Produktivitätstool, das im Hinblick auf die konkreten Bedürfnisse von Entwicklungsteams entworfen wurde. Es erweitert die Möglichkeiten für die komfortable und effiziente Realisierung immer komplexer und unübersichtlicher werdender Automatisierungsprojekte. Für diese Art von Automatisierungslösungen wird es für den Mitsubishi-Nutzer zukünftig zentraler Bestandteil seiner Programmierwerkzeuge sein.
(Abb. 4)
|
| |
|
 |
|