Auf der Hannover-Industrie-Messe 2000 kündigte Moeller in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Siemens an, in Zukunft die Simatic-Industrie-Software als gemeinsamen Engineering-Standard zu verwenden. Dieses Jahr werden die ersten Geräte vorgestellt, die mit STEP 7 programmiert werden können. Die neue Gerätegeneration von Moeller heisst X-System. Bis ins nächste Jahr soll dann das Sortiment so vervollständigt werden, dass sich die Moeller-Produktstrategie Xtra Combinations so richtig entfalten kann.
Hauptteil
Die Entscheidung zur Simatic Industrie Software ist einer von mehreren Mosaiksteinen von Xtra Combinations. Die zukünftige Automatisierungswelt von Moeller wird sehr stark durch Standards geprägt sein. Neben der Simatic-Industrie-Software mit STEP 7 und IEC 61131 helfen Windows, WEB, ProfiNet, Ethernet, Profibus und AS-Interface Kosten bei Projektierung, Inbetriebnahme und Wartung einzusparen und Marktbarrieren zu überwinden. Das neue Automatisierungssystem X-System von Moeller kann auch ergänzend zu Simatic des Marktführers eingesetzt werden. Dies kann ohne zusätzlichen Aufwand zur Schulung des Personals oder zur Portierung von Anwendungsprogrammen erfolgen. Gegenüber allen bisherigen Versuchen, die Projektierung von Automatisierungssystemen zu standardisieren, ist der Ansatz von Moeller und Siemens der wohl weitestgehende. Während die IEC 61131 Teil 3 nur die Programmiersprache standardisiert, sind jetzt auch Hardware- und Feldbuskonfiguration, Diagnose, Programmtest, ja sogar die Bedien- und Beobachtungsfunktionen herstellerübergreifend gleich. Jetzt greifen die von der IEC 61131 erhofften Vorteile wirklich. Das bedeutet keineswegs eine Abkehr von der Norm, sondern vielmehr die Erweiterung über die reinen Programmiersprachen hinaus. Auch Siemens unterstützt mit seiner Software STEP 7 die IEC 61131. Mit STEP 7 werden natürlich auch die gleichen Kommunikationsprotokolle für die Gerätefamilien beider Hersteller benutzt. Die Durchgängigkeit, die man bisher nur innerhalb des Systems eines Systemanbieters kannte, bekommen die Betreiber jetzt auch in herstellerübergreifenden Anwendungen. Das Feld der Zusammenarbeit erstreckt sich über die gesamte Bandbreite der Steuerungstechnik. Mit der durchgängigen Engineeringsoftware wird die volle Bandbreite der Moeller-Gerätewelt von der kleinen SPS über das leistungsfähige Modularsystem bis zur PC-based Control bedient. Moeller wird dazu keine eigene Soft-PLC entwickeln sondern setzt auch hier auf die verfügbaren Simatic-Produkte. Diese werden durch anwendungsorientierte Technologiefunktionen, Kommunikationslösungen und Internet-Anbindung so ergänzt, dass sich das Moeller-Angebot deutlich gegenüber Siemens differenziert. So bleibt auch die Identität von Moeller gewahrt. Die Devise heisst, sich überall dort zu differenzieren, wo Moeller dem Kunden mehr Vorteile bieten kann als er durch die Gleichheit hätte. Trotzdem wird Moeller auch in den Differenzierungs- und Innovationsbereichen auf Marktstandards setzen. Dies ist insbesondere für die Zukunftsthemen wichtig. Die nächste Generation von Automatisierungssystemen wird durch Dezentralisierung geprägt sein. Die heutigen Architekturen von Automatisierung sind fast ausschließlich zentrale Lösungen. Auch wenn die Peripherie von den einfachen Ein- und Ausgängen bis hin zu den Antrieben über Feldbusse dezentralisiert ist, so ist der Ansatz aus Sicht der Anwendungsprogramme doch zentral. Der Trend geht aber dahin, dass Teil-Anlagen immer umfangreicher miteinander vernetzt werden und in die IT-Welt eingebunden werden. So kommt man fast zwangsläufig zu verteilten Anwendungen, die meist über Ethernet miteinander verbunden sind. Es gibt heute keine in der Automatisierungstechnik etablierten Mittel, dies rückwirkungsfrei auf die projektierten Teilanlagen zu bewerkstelligen. Der Aufwand im Engineering wächst unverhältnismässig zum erzielbaren Nutzen. Deshalb fordern die Anwender, dass Teilanlagen für sich in Betrieb genommen werden können und dass diese abgeschlossenen und ausgetesteten Einheiten rückwirkungsfrei zu Gesamtanlagen zusammengebaut werden können. Dabei müssen auch Teilanlagen mit der Automatisierungstechnik unterschiedlicher Systemanbieter einfach verschaltet werden können. Dadurch wächst auch die Wahlfreiheit der Anwender bzgl. der Zulieferer. Auch wenn verteilte Automatisierung ein Innovationsfeld ist und in der Vergangenheit oft erst properitäre Lösungen entstehen mussten, bevor der Standardisierungsprozess eingeleitet wurde, so kann man doch leicht nachvollziehen, dass dies für die verteilte Automatisierung keinen Sinn macht und von grossem Schaden für die Anwender wäre. Deshalb unterstützt Moeller auch die Aktivitäten der Profibus-Nutzerorganisation, die mit ProfiNet ein Konzept vorgestellt hat, das mehr als nur ein Kommunikationskonzept für Ethernet ist. Es ist ein modernes Konzept für die industrielle Automatisierung, das die Anforderungen der Anwender und Hersteller nach einem anlagenweiten Engineering erfüllt und daneben auch offen für die Integration anderer Feldbusse ist. Die Durchgängigkeit bis zur Unternehmensleitebene ist gegeben und den Anforderungen verteilter intelligenter Automatisierungsstrukturen wird Rechnung getragen. Als Weltmarktführer im Segement der Feldbustechnologie bringt die Profibus-Nutzerorganisation beste Voraussetzungen mit, auch diesen Standard weltweit zu etablieren.
ProfiNet bietet die Möglichkeit, Teilanwendungen zu kapseln und unabhängig davon, mit welcher Programmiersoftware sie entstanden sind, zu Gesamtanlagen zu kombinieren. Damit stellt ProfiNet neben dem Innovationsaspekt auch ein Teil des Migrationspfades der Moeller-Sortimente dar. So können Teilanwendungen mit der erfolgreichen PS4-Familie und der Programmiersoftware Sucosoft S40 unproblematisch in Anwendungen mit X-System und auch Simatic eingebunden werden. Wie man sich das vorstellen kann, wird auf dem Gemeinschaftsstand der PNO auf der Hannover Industrie-Messe zu sehen sein. Selbstverständlich ist ProfiNet nicht der einzige Migrationspfad zwischen der PS40-Familie und X-System. Standards wie IEC 61131 Teil 3, OPC, Profibus-DP und AS-Interface werden auch heute schon unterstützt. Xtra Combinations steht damit nicht nur für die zukünftigen Automatisierungssysteme von Moeller, sondern schließt auch die aktuellen Systeme ein und garantiert so die Kontinuität der Weiterentwicklung: der Industrie-PC und PC-based Control sind ebenso integreierbar wie die modulare SPS im PC104-Formfaktor mit feingranularem I/O und integrierten Leistungsabgängen und der intelligente frei programmierbare Kommunikationskopf für das dezentrale I/O. Die Kooperation von Moeller mit Siemens bei der Engineering Software folgt der Einsicht, dass die Kunden nur noch dort Differenzierung akzeptieren, wo sie eindeutige Vorteile bringt. Bei der Software und bei der Kommunikation entstehen den Kunden Kompatibilitätskosten, die durch Produktvorteile nicht aufgewogen werden können. Die weltweite Normung leistet zwar ihre Dienste, doch ist die Innovationsgeschwindigkeit und die benötigten Investitionen so hoch, dass diese nur durch gezielte Zusammenarbeit zu bewältigen sind. So ist die Kooperation zwischen Moeller und Siemens nur konsequent und auch nicht die einzige, die am weltweiten Markt zu beobachten ist. Die Lager bilden sich und die Luft für diejenigen, die keinem der führenden Lager angehören, wird immer dünner.
|
| |
|
 |
|