Modular, skalierbar, offen - mit diesen Adjektiven beschreibt Baumüller das neue Antriebskonzept ‚b maXX‘ in Kurzform, dessen Kern eine neue Regler- und Umrichtergeneration bildet. Im Gespräch mit dem A&D NEWSLETTER stellt Dr.-Ing. Peter Kreisfeld die veränderten Marktanforderungen vor, die das neue Konzept und die dahinterstehenden Produkte adressieren sollen.
Welche Überlegungen haben zur Entwicklung der ‚b maXX‘-Servoreihe geführt?
Kreisfeld: Der Markttrend weist unserer Auffassung nach deutlich in Richtung intelligente Antriebstechnik. Intelligenz heißt hier nicht nur einfache, sondern umfassende Intelligenz. Bei der Entwicklung des Reglers ‚b maXX4000‘ haben wir daher das Konzept der SPS im Antrieb konsequent fortgesetzt und eine Möglichkeit geschaffen mittels einer Einsteckkarte eine sehr leistungsfähige SPS in den Antrieb integrieren zu können, die ganze Maschineneinheiten autonom steuern kann. Ein wichtiger Punkt, den es ebenfalls zu beachten gilt, ist eine einheitliche Bedienung:Wenn Antriebstechnik und Steuerungstechnik zusammenwachsen, ist die Forderung nach einer einheitlichen Bedienoberfläche für die Steuerung und den Antrieb nachvollziehbar.Diesem Wunsch haben wir Rechnung getragen.Weiterhin ist zu beobachten, dass die Kunden Antriebslösungen wünschen, die flexibel an verschiedene Anforderungen angepasst werden können. Die Zukunftssicherheit von Maschinen ist ein Aspekt, der immer weiter an Bedeutung gewinnt. Ein sture Erhöhung des Automatisierungsgrads bringt nichts, dies zeigt die Erfahrung der letzten Jahre. Im Vordergrund muss vielmehr stehen, den Ab- jeweinehmern unserer Produkte und deren Kunden Lösungen in die Hand zu geben, die einerseits den aktuellen Anforderungen der Anwendung entsprechen aber auch bei später veränderten Rahmenbedingungen noch angepasst werden können. Die neue Antriebsfamilie ist aus diesem Grund modular aufgebaut, so dass der Kunde den Antrieb nach seinen Wünschen zusammenstellen und gleichzeitig kurze Lieferzeiten für seine Maschinen realisieren kann.
Was verstehen Sie hier unter dem Begriff Lösung?
Kreisfeld: Wichtig ist für den Kunden, dass er eine durchgängige Lösung am besten aus einer Hand bekommt. Lösung bedeutet nicht nur das Produkt, sondern auch Unterstützung beginnend bei der Projektplanung bzw. der Projektierung bis hin zur Inbetriebnahme und anschließendem Service. Durchgängigkeit setzt ein einheitliches Bedienkonzept voraus.Dies lässt sich nur realisieren,wenn es auf Standards basiert und vorgefertigte Bausteine zur Verfügung stehen, die nur noch konfiguriert, also an die einzelne Anlage angepasst, aber nicht mehr neu konstruiert werden müssen.
Sie heben Modularität, Skalierbarkeit und Offenheit als herausragende Merkmale der neuen Servo-Familie hervor. Was verbirgt sich konkret hinter diesen gern und häufig verwendeten Schlagworten?
Kreisfeld: Modular heißt, wir gehen von einem Grundregler aus. Diese Einheit kann dann je nach Anforderung des Kunden bis hin zu einer leistungsfähigen SPS einschließlich der benötigten Peripherie ausgebaut werden. Wir haben hierzu die Outsert- Technik gewählt, um die Modularität zu erreichen aber gleichzeitig den dafür notwendigen Aufwand und damit die zusätzlichen Kosten in Grenzen zu halten. Skalierbar bedeutet, dass der Kunde das Gerät an seine jeweilige Maschinenbaukonfiguration im Hinblick auf Rechenperformance und Ausstattung anpassen kann. Daduch lösen wir einfache Anwendungen bis hin zu High-End-Anforderungen auf einer Basis. Wir haben den aus der Steuerungswelt vertrauten Begriff der Offenheit auf die Antriebstechnik übertragen.Unser ‚offener‘ Regler, erlaubt es dem Kunden über bestimmte Anschlussstellen, zusätzliche Änderungen beispielsweise am Sollwert vorzunehmen, das heißt, er kann seinen eigenen Prozess im Sollwert abbilden und so den Regler an seine Antriebsaufgabe anpassen.
Bei der neuen Serie könnte die Unterstützung von Bussen und Schnittstellen breiter ausfallen. Werden Sie das Portfolio an dieser Stelle noch erweitern?
Kreismüller: Da das System modular aufgebaut ist, können wir alle Schnittstellen, für die Bedarf besteht, über unsere integrale Schnittstelle als Einsteckkarte einfügen.Wir haben uns dabei im ersten Schritt auf die Kommunikationsschnittstellen konzentriert, die jetzt den Markt bestimmen.
Nutzen Sie auch Internettechnologien in Ihrer Antriebstechnik?
Kreismüller: Internetfähigkeit im Zusammenhang mit Umrichtern hat vor allen Dingen Sinn in Bezug auf Diagnose, Service und Wartung. Hier gibt es schon Lösungen, diese basieren allerdings meist auf proprietären Ansätzen. Normungsbemühungen, Service-Interfaces zu schaffen, die es ermöglichen, verschiedene Komponenten unterschiedlicher Anbieter in ein System einzubinden, sind bisher nicht von Erfolg gekrönt. Bis wir diese Standards bekommen, setzen wir in unseren Systemen auf eine Kombination aus zwei Bussystemen,wobei Ethernet/TCP/IP für die Mengendaten verwendet wird und für die Anwendungen mit harten Echtzeitanwendungen unser proprietärer Bus oder z.B. Sercos zum Einsatz kommt.
Der Aufwand für das Engineering bzw. die Programmerstellung wächst ständig.Wie können Sie hier dem Kunden helfend zur Seite stehen?
Kreismüller: Die Konfiguration bzw. die Programmerstellung erfordert heute weit mehr Aufwand als die eigentliche Komponente. Wir sehen es daher als entscheidend an, die Inbetriebnahme und die Konfiguration der Maschine dem Kunden weitgehend zu erleichtern und zu beschleunigen, indem wir möglichst viele Programmteile als Basis mitliefern.Dabei setzten wir einerseits auf vorgefertigte Softwaremodule und andererseits auf die Unterstützung der Bediener der Programmerstellung.
Welche Funktion soll die Servo-Familie in Ihrer Strategie einnehmen, als Systemanbieter auftreten zu wollen?
Kreisfeld: Baumüller hat sich als Antriebslieferant einen Namen gemacht und ist seit einigen Jahren als Lieferant intelligenter Automatisierungstechnik aufgetreten. Ein wesentlicher Schritt für uns war die Einführung der modularen Programmierung: Dies ermöglichte es unseren Kunden, Programmiermodule grafisch zu verbinden,wobei das Steuerungsprogramm für die SPS automatisch generiert wird. Als nächsten konsequenten Schritt haben wir unter dem Begriff Technologiebaukasten unseren Kunden fertige Technologiemodule z.B. für Wickler, Tänzer, Registerregelungen angeboten, die er nur noch parametrisieren oder nur noch zu einem geringen Teil selbst anpassen musste. Spätestens damit wurden wir Steuerungs- und Systemanbieter, da so Maschinenbauer in die Lage versetzt wurden ihre Produkte vollständig zu automatisieren ohne eine separate SPS zu benötigen. Als sinnvolle Ergänzung sind dann noch Soft-SPS und HMI zu nennen. Eine Soft-SPS, die Steuerungsaufgaben übernehmen kann und die Verbindung zum PC herstellt steht vor der Fertigstellung.Den Zugriff auf HMI-Produkte werden wir uns in Kürze durch enge Partnerschaften sichern.
Werden Sie das ‚b maXX‘-Angebot nach oben hin noch abrunden?
Kreisfeld: Wir planen derzeit, 2003 noch eine High-End-Steuerung in Form einer Karte nachzuschieben, die auf einer Bahnsteuerung basiert.Der zugrunde liegende Controller wird in einer Leistungsklasse liegen, die es erlaubt, bis zu 15 Folgeachsen mit Technologiefunktion zu rechnen. Auch bei den Leistungsteilen wird das Angebot noch erweitert werden:Die bestehende Familie deckt bereits jetzt einen Bereich von 1 bis 160 kW ab,wir werden aber noch weitere Leistungsteile einführen, um eine feinere Abstufung anbieten zu können. Ende des Jahres werden wir dann sechs verschiedene Leistungsklassen im Portfolio haben. Nächstes Jahr werden wir zudem den Leistungsbereich nach oben mit einem 300-kW-Gerät erweitern.
Wollen Sie mit der neuen Antriebsgeneration neue Märkte erschließen?
Kreisfeld: Baumüller versteht sich als ein Systemlieferant für Technologie, der in selektierten Branchen zu Hause ist. Heute sind das die Branchen Druckindustrie, kunststoffverarbeitende Industrie sowie die Textil- und Verpackungsindustrie.Gerade im zuletzt genannten Markt wollen wir uns stärker engagieren.Weitere Branchen, die für uns in Zukunft eine größere Rolle spielen sollen sind Materialhandhabung und die Halbleiterindustrie.
Wurde die Reglerfamilie schon in Hinblick auf die Branchen ausgelegt, die sie neu mit in Ihren Fokus aufgenommen haben?
Kreisfeld: Wir haben das Produktprogramm nicht überarbeitet, um das Gleiche machen zu können wie zuvor, sondern um das Unternehmen nach vorne zu bringen. Wir haben uns dazu Branchen ausgesucht, die aus unserer Sicht sehr gute Zukunftsperspektiven aufweisen.
Die Anbieter von Halbleiterproduktionsmaschinen sitzen nicht in Deutschland. Haben Sie da eine Chance, in diesen Markt zu kommen?
Kreisfeld: Drei Regionen lassen sich identifizieren, in denen entsprechende Hersteller konzentriert zu finden sind: Holland, Japan und die USA. In Holland und in USA sehen wir für uns eine gute Ausgangslage,während wir in Fernost unsere Aktivitäten sicherlich noch vertiefen müssen.Technologische Besonderheiten dieses Kundenkreises sind einerseits der breite Einsatz von rastmomentfreien Motoren im Sinne von Scheibenläuferund Linearmotoren - also eisenfreie Motoren - und andererseits die Verwendung der synchronen Bussysteme Sercos und FireWire. Sercos hat heute eine herausragende Stellung und ist besonders in den USA ein etablierter und anerkannter Standard. Sercos unterstützen wir bereits, FireWire wird einerseits genau beobachtet und ist durch unser modulares Konzept genauso denkbar.
Ist die gesamte Familie mit den zugehörigen Peripherieprodukten verfügbar?
Kreisfeld: Die Markteinführung wird in zwei Schritten erfolgen. Im März erhalten Key-Kunden Optionen auf unsere Neuentwicklungen, die bereits nahezu die ganze Produktpalette benötigen. Es gibt zwar noch bei einigen Karten Details zu lösen, aber das System als solches steht. Die Serienfertigung und die Einführung in den breiten Markt beginnt in der zweiten Jahreshälfte.
Wird jetzt die alte Reglerfamilie abgekündigt?
Kreisfeld: Die Verfügbarkeit von b maXX heißt nicht, dass wir alle anderen Produkte abkündigen. b maXX integriert sich in das vorhandene Produktspektrum der Firma Baumüller. Bestehende Produkte werden ohne Einschränkung gepflegt und supportet. (jr) |
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