„Möglichkeiten der funktionalen Dezentralisierung noch nicht ausgeschöpft“
SEW-Eurodrive hat sich in den 70 Jahren seit der Firmengründung als Spezialist für Getriebemotoren einen Namen gemacht. Neben der Internationalisierung setzte das Unternehmen schon früh auf den Einsatz von Antriebselektronik und konnte so eine Spitzenposition unter den Anbietern von Antriebstechnik einnehmen. Dr. Reiner Vonderschmidt, Dr.-Ing. Jörg Roth-Stielow und Dipl. Ing. (FH) Claus Wieder zeigen im Interview mit dem A&D NEWSLETTER, was die Bausteine zum Erfolg waren, wie die aktuellen Entwicklungen im Bereich der dezentralen Antriebstechnik zu bewerten sind und wie das Unternehmen die Kunden an den Vorteilen dieser Technologie partizipieren lässt.
■ Welche Antriebslösungen bietet SEW seinen Kunden?
Vonderschmidt: Wir sehen uns als Weltmarktführer im Bereich der geregelten Getriebemotoren. Dies belegen die verkauften Stückzahlen: alleine bei den Getriebemotoren sind es z.B. weit mehr als 1 Mio. im Jahr. Aber auch in Hinblick auf die Bandbreite und Vollständigkeit unseres Produktspektrums nehmen wir diese Position für uns in Anspruch: Wir stellen im Kernbereich Getriebemotorenfamilien von 50 Watt Leistung bis zu 50 kW her. In Drehmomenten ausgedrückt decken diese Getriebemotoren den Bereich von 50 Nm bis 50 kNm ab. Vollständigkeit heißt dabei, dass SEW zahlreiche Antriebsformen vom Stirnradgetriebe mit koaxialer An- und Abtriebswelle, über Flachgetriebe mit versetzter An- und Abtriebswelle bis hin zum Kegelrad- und Schneckegetriebe liefern kann. Unser Industriebetreibeprogramm mit zulässigen Drehmomenten bis 1000 kNm rundet die Getriebemotorenfamilie ab.Die Variantenvielfalt wird durch unterschiedliche Ausführungen z.B. mit und ohne Bremse, Fremdlüfter oder durch zahlreiche unterstützten Spannungen und Ausführungen noch weiter bereichert. Auch in der Antriebselektronik können wir den Kunden aus einem umfassenden Programm beliefern: Die Umrichterfamilien lassen sich grob in Volumen- und in Applikationsumrichter für High-end-Anwendungen einteilen, wobei sich letztere auch für Anwendungen in der Servoantriebstechnik eignen. Der Leistungsbereich reicht von 500 W bis 90 kW, der in nächster Zeit bis auf 132 kW erweitert wird.
■ In welchen Anwendungsbereichen ist SEW besonders erfolgreich?
Vonderschmidt: Unser Kerngeschäft ist die Fördertechnik, wobei diese weit zu fassen ist: Die Anwendungen reichen von der Fördertechnik bis zum Einsatz in der Industrieautomation in jeglicher Richtung. Hier reicht das Spektrum von der Elektrohängebahn über das Rollenband, bis hin zu Flächenportalen. In Branchen gedacht, finden Sie SEW-Antriebe in der Fördertechnik z.B. am Flughafen - ein Schwerpunkt von SEW - und in der Automobilindustrie, als Fabrikautomation, sowie in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie.
■ Wie verteilt sich der Umsatz auf die Regionen?
Vonderschmidt: Wir haben im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von ca. 1,9 Mrd. Mark erwirtschaftet. Dabei entfällt knapp ein Drittel unseres Geschäfts auf Deutschland, etwa ein Drittel auf Europa ohne Deutschland und das verbleibende Drittel auf den Rest der Welt. USA ist für uns inzwischen der zweitgrößte Markt nach Deutschland. In Nordamerika insbesondere in den USA sehen wir noch großes Wachstumspotential, das wir auch nutzen werden. ■ Wie konnte SEW diese Marktposition erobern?
Vonderschmidt: Ernst Blickle, der von 1945 bis 1986 dem Unternehmen vorstand, hat 1961 den Ausspruch geprägt, „die Welt steckt voller Antriebsprobleme, wir müssen zum Kunden, um sie zu lösen“. Er ging davon aus, das die Lieferzeit ein wesentliches Merkmal für den Geschäftserfolg sein würde. Dass kurze Lieferzeiten, aber auch sinnvolle Applikationsunterstützung nur mit Hilfe von in der Nähe des Kunden lokalisierten Vertriebs-, Montage- bzw. Serviceeinrichtungen erreichbar sein würden, war Teil der visionären Leistung von Ernst Blickle. Es gibt drei grundlegende strategische Entscheidungen, die dem Erfolg von SEW zugrunde liegen. Das war einmal Ende der 50er Jahre die klare Entscheidung zur Internationalisierung: Bereits Ende der 50er Jahre hat SEW in Frankreich ein Produktionswerk für Getriebemotoren gebaut. In den 60er Jahren wurde diese Expansion verstärkt vorangetrieben und in der ganzen Welt mit der Gründung von Montagewerken begonnen, die wir als Eurodrives bezeichnen. Die Eurodrives zeichnen sich dadurch aus, dass sie u.A. über Bestände vor Ort für den Bau von Getriebemotoren verfügen. Dieser Ansatz konnte wirtschaftlich nur durch den Aufbau eines Baukastensystems realisiert werden, andernfalls wären die erforderlichen hohe Bestände in den Niederlassungen für SEW zum Problem geworden. Die Unternehmensführung hatte in den 60er Jahren dies als wesentlichen Bestandteil und Voraussetzung der angestrebten Internationalisierung erkannt und auf die Entwicklung eines Baukastensystems hingewirkt. Diese Entscheidung hat sich ebenfalls als visionär und strategisch richtig erwiesen. Wenn SEW heute an 45 über den Globus verteilten Werken vom Grundsatz her nahezu jeden Antrieb bauen kann, ist das nur durch diese Grundlagen möglich, die damals gelegt wurden.
■ Was war der dritte Meilenstein auf dem Weg zum Marktführer?
Vonderschmidt: Ende der 80er Jahre traf Rainer Blickle, der zusammen mit seinem Bruder Jürgen dem Unternehmen vorsteht, die dritte wesentliche Entscheidung, welche die 70-jährige Geschichte der SEW entscheident geprägt hat. In jener Zeit legte sich SEW darauf fest, Antriebselektronik in eigener Regie zu entwickeln, zu produzieren und zu vermarkten und dabei nicht auf Kooperation oder Partnerschaften zu setzen wie andere Unternehmen. Gleiches gilt für die Firmware der Geräte, für die Bedien- und Visualisierungssoftware und für die anwendungsbezogenen Softwaremodule. Sicherlich war dies nicht immer der einfachste Weg, aber der Erfolg gibt uns recht: Der Absatz steigt ständig.
■ Was gehört konkret zu einer Eurodrive-Niederlassung?
Vonderschmidt: SEW versteht unter Eurodrive in der Regel eine Einheit aus einer Vertriebsorganisation, die auch Anwendungstechnik betreibt, einem Montagewerk und einer Serviceorganisation. Diese Kombination ermöglicht uns die erwähnte Kundennähe und die Einhaltung kurzer Lieferzeiten. Die Fertigung der Produkte erfolgt in einem der neun Fertigungsstätten, wobei mit wenigen Ausnahmen jedes Bauteil nur in einem Werk produziert wird. Diese Werke versorgen anschließend die weltweit verteilten 45 Montagewerke mit Komponenten. Vor Ort werden dann die Getriebemotoren montiert und mit kurzen Lieferwegen und Lieferzeiten an den Kunden verschickt.
■ Wie viele Werke gibt es in Europa und wo sind diese angesiedelt?
Vonderschmidt: SEW fertigt an sechs Standorten in Europa: Das Werk in Bruchsal produziert die Antriebselektronik, in Graben stellen wir die großen Getriebemotoren her, in Östringen die Planentengetriebe für die Servoantriebe. In Frankreich produzieren wir in Haguenau die kleinen Getriebemotoren und in Forbach die Druckgussteile und Stanzteile für Motoren und Getriebe. In Finnland fertigt ein Werk Großgetriebe für industrielle Anwendungen. Diese Struktur erlaubt es, auch kürze Lieferzeitenwünsche der Kunden zu realisieren.
■ Wie ist SEW organisiert?
Vonderschmidt: SEW ist funktional organisiert: Hier sind der Vertriebs-, der Finanz-, der Produktions- und der Entwicklungsbereich zu nennen. Zusätzlich unterstützt eine regionale Aufteilung die vom Markt geforderte Kundennähe. Eine eigenständige Serviceorganisation sichert hierbei das After-sales-Business. Von den 7500 Mitarbeitern sind ca. 60% in der Produktion tätig, ca. 2000 arbeiten für den Vertrieb - einschließlich der Montagewerksorganisation. Über 300 Mitarbeiter sind den Entwicklungsabteilungen zugeordnet.
■ Sie setzen verstärkt auf die dezentrale Antriebstechnik. Wo sehen sie die Einsatzgebiete für diese Technik angesichts der noch sehr punktuellen Verbreitung der Feldbusse?
Roth-Stielow: Die Aussage, dass der Einsatz von Feldbussen noch wenig Verbreitung findet, stimmt nur in Bezug auf die Zahl der Unternehmen, die diese Systeme einsetzen - in Hinblick auf die Zahl der Antriebe allerdings nicht. Die dezentrale Technik ist wegen eines geringeren Installations- und Inbetriebnahmeaufwands dort zu bevorzugen, wo nicht nur ein Antrieb oder wenige Antriebe zum Einsatz kommen. Eine große Anlage mit über tausend Antrieben, wie z.B. ein Automobilwerk, wäre ohne Feldbuskommunikation heute nicht vorstellbar. Es reicht aber unserer Ansicht nicht aus, nur die einzelnen Komponenten zu liefern, sondern ein Antriebsspezialist muss auch eine vollständige Lösung anbieten können. Neben den elektronisch geregelten Getriebemotoren und der entsprechenden Kommunikationstechnik bieten wir deshalb auch Installationstechnik in Form von Feldverteilern in vielerlei Ausführungen an. Um in den vollen Genuss der Vorteile der dezentralen Installation zu kommen braucht der Kunde unserer Ansicht nach entsprechende dezentrale Installationskomponenten für Energie und Signalübertragung. Eine der Stärken von SEW macht es aus, dass wir ein komplettes Programm zur dezentralen Technik bieten, vom Getriebemotor mit integrierten Umrichter bis hin zu Installationskomponenten für die Energie- und Signalübertragung. SEW hat sich in diesem Zusammenhang sogar entschlossen, selbst ein Kabel mit besonderen Merkmalen zu entwickeln und anzubieten, da sich Standardkabel immer wieder als Fehlerquelle herausstellen und eine schnelle und fehlerfreie Inbetriebnahme einer Anlage erschweren.
Vonderschmidt: Industrieunternehmen entscheiden sich für die dezentrale Technik aus reinen Kostengründen: Die Materialkosten sind zwar zunächst höher als bei der klassischen Schaltschranktechnik, dieser Nachteil wird aber durch die einfachere Installation und Betriebnahme mehr als wett gemacht. Wenn z.B. ein Automobilhersteller ein Werk bauen will, dann ist ein entscheidender Faktor, wie schnell eine neue Anlage aufgebaut werden kann und das erste Auto vom Band rollen kann. Hier bietet die dezentrale Technik den Vorteil, dass der Anlagenbauer einzelne Anlagenmodule vorher in Betrieb nehmen und dann komplett in den Betrieb stellen kann. Es ist dabei wichtig, sowohl die räumliche Zuordnung der Gerätetechnik zu den Anlagenmodulen, als auch die funktionale Zuordnung der Funktionen zu den Anlagenteilen zu ermöglichen, nur dann kann der Anlagenanteil separat und vorab in Betrieb genommen werden.
Wieder: Auch wenn wir mit unseren Kunden noch vor drei oder vier Jahren in erster Linie über Feldbussysteme diskutiert haben - heute kommen sie zum Einsatz. Wir sehen an den Verkaufzahlen, dass der Anteil an busfähigen Systemen deutlich steigt: Jedes dritte Gerät ist mit einem Bus ausgestattet.
■ Wie beurteilen Sie die Entwicklung der verschiedenen Feldbusse?
Roth-Stielow: Da gibt es sicherlich Gewichtungen, die aber temporär und regional sehr schwanken. Wir bevorzugen keinbestimmtes Bussystem zu bevorzugen. Die Endkunden sagen, welches Bussystem zum Einsatz kommt und wir sehen unsere Aufgabe, diese Bussysteme bereitzustellen. Wir beobachten natürlich aktuelle Entwicklungen, wie die Diskussionen um Ethernet, mit Interesse. Auch dort wird unserer Auffassung nach die Einbindung der Antriebstechnik bis hinauf zur PC-Welt nicht einheitlich erfolgen.
■ Gilt der Einwand, dass das Engineering dezentraler Antriebe schwieriger ist als der Aufbau einer zentralen Lösung?
Roth-Stielow: Aktuelle Entwicklungen, wie der Trend zu durchgängigen Kommunikationsstrukturen, aber auch moderne Planungs- und Projektierungswerkzeuge helfen hier die Komplexität zu bewältigen. Der Weg geht ganz klar dahin, dass wir eine durchgängige Kommunikationsschiene haben: Vom Antrieb, über eine Steuerung bis hin zum PC des Ingenieurs beim Endkunden, der von dort aus Updates etc. einspielen kann. Auch Fernwartung wird künftig über diesen Kommunikationsweg abgewickelt werden. Wir werden unsere Kunden auch in der Projektierungsphase unterstützen, indem wir zu den Projektierungstools der großen Anbieter wie Siemens Schnittstellen anbieten werden. Wir haben dazu anlässlich der Hannover Messe eine Systempartnerschaft mit dem Hause Siemens bekannt gegeben.
■ Welcher Trend wird die dezentrale Antriebstechnik in nächster Zeit prägen?
Roth-Stielow: In der Praxis wird sich neben dem bereits deutlichen Trend zur räumlichen Dezentralisierung die Entwicklung in Richtung der funktionalen Dezentralisierung verstärken. Wir dezentralisieren bereits heute zu einem sehr hohen Prozentsatz räumlich, aber schöpfen noch nicht alle Möglichkeiten der funktionalen Dezentralisierung aus. Hier wird noch Intelligenz vom Schaltschrank ins Feld wandern. SEW hat diesen Weg bereits eingeschlagen und wird ihn weiter verfolgen und in Kürze entsprechende Produkte vorstellen.
Wieder: Für den Antrieb heißt das, dass die Funktionalität, die antriebsnah ist, auch dezentral im Antrieb gehandhabt werden wird - die Informationen werden also nicht erst zur übergeordneten Steuerung geschickt, dort verarbeitet und wieder an einen Antrieb weitergereicht, sondern der Motor wird direkt von der motornahen Intelligenz gesteuert.
■ Was kann getan werden, um den zusätzlichen Platzbedarf der Elektronik am Antrieb zu reduzieren?
Roth-Stielow: Die Installation des Umrichters auf dem Motor bietet die erwähnten Vorteile der dezentralen Architektur, benötigt aber zusätzlichen Raum. Ein Vorteil unserer Antrieb ist der kleine Bauraum. Ich möchte hier besonders die Entwärmungstechnik hervorheben: Wir arbeiten hier ohne aktive Kühlung, ein ganz großer Vorteil des SEW-Movimot-Antriebs. Für die nicht ganz seltene Situation, in der für den Umrichter in der Applikation auf dem Motor kein Platz ist, haben wir eine Feldverteilervariante entwickelt, mit deren Hilfe der Umrichter abgesetzt vom Motor in bis zu fünf Meter Abstand installiert werden kann. Diese Lösung ist für den Kunden vorteilhaft, da der Endkunde kein weiteres Ersatzteil vorhalten muss, und Service- und Logistikaufwendungen bei beiden Ansätzen gleich sind. Er verwendet den gleichen Movimot-Umrichter, bloß dass dieser auf dem Verteiler sitzt und nicht auf dem Motor. Egal welche Variante gewählt wird, der Kunde benötigt immer nur ein Kabel zum Motor. Der Anlageninstallateur muss also nicht unter die Rollenbahn kriechen, um vier oder sechs Kabel aufzulegen, sondern ein Kabel reicht aus. Auch hier hat sich die Modularität, wie in der Mechanik bewährt.
■ Können Sie präzisieren was die technologischen Alleinstellungsmerkmale der SEW-Produkte sind?
Roth-Stielow: Zu den technologischen Merkmalen gehört der robuste Aufbau der einzelnen Komponenten, ein entscheidendes Merkmal im dezentralen Bereich, wo die Gehäusetechnik eine große Bedeutung hat. Der Kunde findet bei uns deshalb fast ausschließlich Aluminiumgehäuse. Ein weiteres Merkmal unserer Antriebe ist die umfassende Feldbusunterstützung - und zwar nicht nur auf dem Papier -, die noch weiter ausgebaut wird. In Kürze werden wir zum Beispiel als eines der ersten Unternehmen der Antriebstechnik eine Interbus-Lichtwellenleiterlösung im Programm haben.
Vonderschmidt: Ganz entscheidende Vorteile bringt dem Kunden der ganzheitliche Ansatz, den SEW verfolgt: Da SEW alles in einer Hand hält, kann das Zusammenspiel Getriebe, Motor, Umrichter und Steuerungsfunktionalität als Ganzes betrachtet und zu einem einmaligen Gesamtprodukt optimiert werden.
Roth-Stielow: Ein Beispiel kann hier verdeutlichen, was wir konkret darunter verstehen: Wir haben einen sehr großen Anteil an Bremsmotoren bei unseren Getriebemotoren, also Motoren, die auf der B-Seite eine elektromechanisch betätigte Scheibenbremse haben. Der Movimot-Umrichter steuert direkt die Bremsspule und damit das Einfallen und Lüften der Bremse. Weil wir das Gesamtsystem im Griff haben, nutzen wir dieses Spule gleichzeitig als Bremswiderstand. Diese Möglichkeit haben wir, weil wir den Motor, das Getriebe und die Elektronik hier im Haus entwickeln und herstellen.
Wieder: Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Anwenderfreundlichkeit der Geräte, die auch bewusst einfach gestaltet wurden, um die Gesamtkomplexität des Engineering und Projektierung beherrschbar zu machen.
■ Wie wird diese Anwenderfreundlichkeit erreicht, und welche Bedeutung weisen Sie der Software zu?
Roth-Stielow: Die Software ist Teil einer optimierten Antriebslösung und wird deshalb ebenfalls von uns entwickelt und dem Kunden zur Verfügung gestellt. Dabei müssen verschiedene Softwarekategorien unterschieden werden: Dazu gehört die Firmware, die in den Geräten steckt, die mittlerweile in vielen Fällen aktualisier- und ladbar ist. Eine weitere Kategorie stellt die Software für die Programmierung und Parametrierung der Geräte dar. Die Software zur Visualisierung von Antriebsvorgängen und die sogenannten Applikationsprogramme, die anwendungsbezogen den Antrieb steuern, bilden die beiden letzten Kategorien.
Wieder: Gerade am Beispiel der von uns vorgefertigten Applikationsprogramme ist sichtbar, was wir unter Anwenderfreundlichkeit verstehen: Die Module sind mit eigenständigen, einfachen Bedienoberflächen ausgestattet, mit deren Hilfe die Anwendung nur noch durch Eingabe von Parametern, wie der Verfahrwege, an die Kundenanforderungen angepasst wird, ohne ein Programm schreiben zu müssen. Diese einfache Handhabung ist ein wesentlicher Grund, warum unsere Kunden diese Softwaremodule gerne einsetzen. Die Applikationssoftware läuft auf den Umrichtern und übernimmt vermehrt auch Steuerungsfunktionen. Die Technologieanwendungen, wie z.B. eine Wickleranwendung, werden also primär durch die Software des Umrichters gesteuert. Im Sinne der dezentralen Antriebstechnik gilt auch hier wieder die Zielsetzung, die motornahe Funktionalität möglichst mit der Antriebselektronik abdecken zu können und nicht auf die übergeordnete SPS zurückgreifen zu müssen. Wir bieten hier bereits eine Reihe unterschiedlicher Applikationen wie Synchronlauf, Kurvenscheiben oder Mehrachsfunktionen, die jeweils mit eine Parametrieroberfläche ausgestattet sind. Als zusätzlichen Service bieten wir unseren Kunden an, individuelle Applikationsprogramme für dessen spezielle Anwendung anzufertigen, die wir auch für ihn in Betrieb nehmen können.
■ In welche Richtung will SEW sein Geschäft weiter ausbauen?
Vonderschmidt: Wir haben ein klares Ziel: Wir möchten das aus den Komponenten Antriebselektronik, Motor und Getriebe bestehende Produkt enger zusammenbringen und optimieren. Das Ziel lautet also nicht, das Getriebe, den Motor und den Umrichter einzeln, sondern als Antriebssystem weiterzuentwickeln. Unser Geschäft wird dabei mehr und mehr ein Systemgeschäft, zu dem die Auslegung des Antriebs, die Inbetriebnahme und das After-sales-Geschäft gehört. Gleichzeitig werden wir das vorhandenen Programm erweitern und optimieren. Wir engagieren uns z.B. seit einigen Jahren auch in der Servoantriebstechnik mit Umrichtern, Motoren und Getrieben. Das Geschäft Servoantriebe werden wir zu einem weiteren Standbein ausbauen. Die zweite Stossrichtung heißt klar neben und aus dem bestehenden Programm heraus, die dezentrale Technik zu forcieren. Hier sehen wir den Umrichter und den Getriebemotor als integrale Einheit.
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