Dem Automatisierer das Leben mit unkonventionellen Lösungen zu erleichtern ist das Motto der Jetter AG, wobei sie auf die Verschmelzung der IT- mit der Automatisierungswelt setzt. Martin Jetter schildert im Interview, warum das Unternehmen diesen Ansatz wählt und wie es möglich ist, mit innovativen Produkten wie ‚JetWeb‘ Kunden erfolgreich anzusprechen.
Wie ist es dazu gekommen, dass sich die Jetter AG als technologischer Vorreiter etablieren konnte?
Jetter: Schon die Idee, die 1980 zur Gründung des Unternehmens geführt hat, Mikrocomputerlösungen für die mittelständische Industrie zu entwickeln, war zu jenen Zeiten innovativ und sprach Unternehmen an, die bereits in den Anfängen der PC-Ära die Vorteile der neuen Technologie nutzen wollten. Die erste Steuerung, die wir dann 1982 entwickelten, wurde bereits mit Multitasking-Hochsprache programmiert. Dies darf bis heute innovativ gelten. In den 80er-Jahren brachten wir mit der Prozess-SPS eine neue Innovation auf den Markt: zum ersten mal wurden alle Automatisierungsfunktionen, also SPS-Funktionen, Achsfunktionen, Bedienfunktionen und Datenverwaltung in einer Steuerung, mit einem Betriebssystem , und mit einer Programmiersprache schnittstellenfrei unterstützt.
Wie passt Ihr letzter großer Wurf, die JetWeb-Technologie, in dieses Bild?
Jetter: Wenn Sie so wollen, dann ist JetWeb die konsequente Weiterentwicklung der Prozess-SPS-Idee. War die Kernidee der Prozess-SPS ‚keine Schnittstellen innerhalb einer Steuerungseinheit‘, so ist die Kernidee des JetWeb ‚keine Schnittstellen innerhalb einer vernetzten Anlage‘. Erreicht wird dies durch das Prinzip der verteilten Intelligenz. Die eigentliche Innovation liegt darin, neue Technologien ohne Denktabus und historischen Ballast zu nutzen. Dem Automatisierer das Leben zu erleichtern ist der ultimative Antrieb dahinter, wobei Alles erlaubt ist, was dem Anwender nutzt. Die Prozess SPS und Jetweb folgen genau dieser Zielsetzung. Das sieht man den Produkten an, z.B. wenn man die Benutzerfreundlichkeit betrachtet.
Welche Vorteile bringt JetWeb dem Anwender?
Jetter:. Verteilte Intelligenz heißt, dass die Intelligenz auf physikalisch getrennte Einheiten verteilt ist, aber logisch als Ganzes betrachtet und gehandhabt werden kann. Wir fassen daher in dem Satz ‚das Netz ist die Steuerung‘ griffig die Tatsache zusammen, dass in diesem Szenario die Gesamtheit aller Netzknoten logisch gesehen einer zentralen Steuerung gleichzusetzen ist. Anders ausgedrückt: Die traditionelle, hierarchische Feldbuspyramide wird flach, da alle Teilnehmer gleichberechtigt in einem Netzwerk angeordnet sind. Die konventionelle Steuerung wird dabei zum physikalischen Netzknoten und die Gesamtheit dieser Netzknoten wird logisch zur Steuerung. Dies erlaubt dem Anwender auf alle logischen Objekte im Netz, also auf alle Daten, alle Methoden, alle Abläufe, von jeder Stelle im Netz in Echtzeit zuzugreifen, womit die horizontale Integration erreicht ist. Damit ist es wiederum möglich, die Intelligenz beliebig granuliert in die Feldgeräte zu verteilen. Das Attraktive dabei: Der Soft- und Hardwareaufwand erhöht sich gegenüber einer zentralen Lösung nicht. Gleichzeitig ist das Ziel der vertikalen Integration erreicht: Die ‚flache‘ Feldbuspyramide kombiniert mit der Verwendung des TCP/IP-Protokolls erlaubt die Integration der Automatisierungstechnik ins Intra- oder Internet und damit verbunden den Zugriff auf die Datenbanken des Unternehmens. Möglich wird auch der direkte Zugriff über Standardinternetwerkzeuge auf alle Funktionalitäten der Automatisierungseinrichtungen über deren integrierte Homepages. So ist z.B. die Visualisierung der Sensordaten über Browser, die Diagnose, die Parametrisierung, der Download von Programmen über diese Homepages möglich.
Wobei diese Möglichkeiten Anbieter konventioneller Automatisierungstechnik für ihre Produkte auch in Anspruch nehmen, indem sie u.a. Web-Server z.B. in ihre SPSen oder Drives integrieren. Wo liegt hier der Unterschied zur JetWeb-Lösung?
Jetter: Will man in der herkömmlichen Feldbuspyramide Wartung, Visualisierung und Diagnose über eingebettete Webserver machen, so ist dies nur innerhalb einer Ebene, z.B. auf Steuerungsebene mit vernünftigem Aufwand möglich. Die Daten der darunter liegenden Feldbus-Ebenen, zum Beispiel von Servodrives, können nur durch die Steuerung hindurch - was einen erheblichen Softwareaufwand darstellt - oder durch Doppelverdrahtung zugegriffen werden. Wirklich Sinn macht diese Technik also erst, wenn man die Netzwerkhirarchie flach macht. Die vertikale Integration wird also erst richtig sinnvoll im Zusammenspiel mit der horizontaler Integration. Webserver sind also nur einer von vielen Bausteinen des JebWeb, und für sich alleine genommen machen sie nur begrenzt Sinn. Webserver zusammen mit verteilter Intelligenz und einer neuen, flachen Netzwerkhirarchie machen erst den Kundennutzen. Auf diese Weise können zum Beispiel alle Daten des gesamten Netzes über Browser visualisiert werden, dann erst kann ein Download der Betriebssysteme aller Geräte übers Intra-/Internet erfolgen, dann erst könne alle Geräte einer Anlage über Browser diagnostiziert werden. Wer IT-Techniken einsetzt, sollte konsequenterweise auch die IT-Netwerkarchitekturen nutzen. Wir sind meines Wissens derzeit die Einzigen, die das tun. Wie steht es mit der horizontalen Integration?
Jetter: Der eigentliche und wesentlichere Unterschied zu konventionellen Lösungen liegt in der gleichzeitig mit JetWeb erreichbaren horizontalen Integration. Heute finden wir ausschließlich hierarchische Systeme vor, die häufig sogar fatalerweise mit Master-Slave-Bussen aufgebaut sind. In diesem hierarchischen Ansatz kann der Anwender die Intelligenz nicht beliebig granulieren, weil der Kommunikationsaufwand, den eigentlichen Programmaufwand irgendwann deutlich übersteigt - diesen Punkt hat die Automatisierungstechnik heute schon erreicht. Und wenn ein Hersteller die SPS-Funktionalität in ein Drive integriert, mag das in einer Situation sinnvoll sein, in der das Gerät alleinstehend arbeitet und nur ein paar E/As angeschlossen sind. Sind aber über und unter diesem Drive weitere SPSen unterschiedlicher Anbieter angeordnet, und will der Programmierer jetzt die Funktionen auf die SPSen verteilen, ist das theoretisch zwar möglich, der Integrationsaufwand wächst aber ins Gigantische. Die einzig wirtschaftliche Lösung ist, die eigentlichen Feldgeräte nur noch als Objektcontainer zu betrachten, in die Objekte, dazu gehören Abläufe und Daten beliebig abgelegt werden können. Die Objekte sind von jeder Stelle des Systems aus sichtbar. Die IT-Welt hat vorgemacht, wie das funktioniert: Das Internet ist verteilte Intelligenz pur. Die jetzt von Vielen als Paradigmenwechsel angekündigte dezentralisierte Automatisierung dagegen ist mit der Modem-gekoppelten PC-Welt von vor 20 Jahren zu vergleichen.
Ist eine MES-Software bzw. Middleware damit überflüssig?
Jetter: Mit JetWeb steht eine Lösung zur Verfügung, in der kein Unterschied mehr zwischen dem Intranet und der eigentlichen Infrastruktur innerhalb der Maschine zu erkennen ist, d.h. wir haben in der Steuerung eine echten Online-Datenbankzugriff, wofür dedizierte Befehle implementiert wurden. Von der Steuerung aus kann der Anwender ohne einen speziellen Treiber oder PC gehe auf die Datenbank im Intranet zugreifen, wenn er die Rechte dazu hat. Den Alptraum, Daten von einer Datenbank zu laden, irgendwo zwischenzuspeichern und dann von den Steuerungen ex- und importieren zu müssen umgehen wir mit JetWeb, weil wir uns wie ein normaler Client im Internet und nicht nur innerhalb unserer Welt verhalten. Die Produktionsdaten kommen also bei JetWeb-Anlagen direkt online aus einer ERP-Datenbank. Eine separate MES-Software, welche die als Bindeglied zwischen einer ERP-Datenbank und einer - jetzt nicht mehr vorhandenen Steuerungsdatenbank dient, ist also nur noch notwendig, wenn das ERP-System nicht in der Lage ist, Produktionsdaten produktionsgerecht aufzubereiten.
‚Verteilte Intelligenz‘ wird von immer mehr Unternehmen als Schlagwort zur Beschreibung ihrer Produkte verwendet. Zu Recht?
Jetter: Nach unserer Definition, die im übrigem der Definition aus der IT-Welt entspricht, gibt es heute außer JetWeb keine weitere Lösung für verteilte Intelligenz, alles andere sind dezentrale Automatisierungslösungen . Zugegeben, die ungerechtfertigte Besetzung dieses Begriffes ist uns schon ein Ärgernis. Bei ProfiNet handelt es sich z.B. um nichts Anderes als dezentrale Automatisierungstechnik und nicht um verteilte Intelligenz, denn aus einer dezentralen Automatisierung wird noch lange keine verteilte Intelligenz, nur weil Kommunikationsbeziehungen graphisch programmiert werden. Beim JetWeb dagegen gibt es für den Anwender gar keine Kommunikationsbeziehungen mehr, da die Applikation virtuell zentral ist.
Ist die JetWeb-Produktpalette bereits vollständig?
Jetter: Ja. Es stehen PC-basierende JetNodes, Embedded-JetNodes, analoge und digitale E/As, Servo-Module, Servoverstärker, Schrittmotormodule und HMIs zur Verfügung. Wir realisieren heute bereits Anlagen mit Browser-basierender Visualisierung, Vision-gesteuerten High-speed-Linearachsen und schnellen E/A-Funkionen.
Sind die JetWeb-Produkte alles Neuentwicklungen?
Jetter: Es wäre Wahnsinn gewesen, einen Schnitt zu machen und unsere bestehende Palette - in der schon Entwicklungsmannjahrzehnte stecken - komplett neu für JetWeb zu entwickeln. Wir haben daher dafür gesorgt, dass die Peripherietechnik der Prozess-SPS mit JetWeb kompatibel ist. So konnten wir unsere Entwicklungsressourcen auf den Steuerungskern konzentrieren und gleichzeitig Entwicklungssynergien zwischen der Prozess-SPS und dem Zukunftsprodukt JetWeb nutzen. Es war von vornherein eine ganz klare Unternehmensstrategie, diese Synergien zu nutzen, alles andere wäre in Hinblick auf die sonst erforderlichen Produktentwicklungsphasen und Einführungszeiträumen nicht handhabbar oder finanzierbar gewesen. Dieses Vorgehen bringt dem Anwender den zusätzlichen Vorteil, dass er ein sehr innovatives, gleichzeitig aber ausgereiftes Produkt vorfindet.
Wann wird der breite Markt den Early Adopters von JetWeb nachfolgen?
Jetter: Die Nachfrage nach JetWeb ist so überwältigend, dass uns dies bereits heute wie der breite Markt vorkommt. Natürlich ist dies aber nicht der Fall. Es sind tatsächlich innovative Frühanwender, die heute JetWeb kaufen. Es scheint aber, dass es eine breite Schicht innovativer Maschinen- und Anlagenbauer gibt, die sich durch den Einsatz der JetWeb-Technologie Wettbewerbsvorteile für ihre Maschinen versprechen. Der Leidensdruck scheint hoch zu sein. Im Verhältnis zum Marktanteil von Jetter ist diese Gruppe bereits beachtlich groß. Bis allerdings die große Mehrheit der Automatisierer den Paradigmenwechsel mitmachen wird werden noch einige Jahre vergehen. Unter anderem deshalb, weil erst mehr Wettbewerbsprodukte auf den Markt kommen müssen.
Welche Bedeutung hat IDA für JetWeb?
Jetter: Die zugrundliegende Idee, IT-Standards da zu übernehmen wo sie passen bzw. vorhanden sind, steht im Mittelpunkt. Nun gibt es im Bereich der Automatisierung zusätzliche Anforderungen, die von der IT-Welt einfach noch nicht abgedeckt werden, wie z.B. Echtzeit-Ethernet oder ein sicheres Ethernet. Diese Lücke zu füllen, ist der Ansatz von IDA, wobei das Ziel die Einigung auf eine gemeinsame Vorgehensweise oder Spezifizierungen ist - ich verwende hier bewusst nicht das Wort Standardisierung, denn die Zeit der traditionellen Normen, wie wir sie von den Feldbussen her kennen, ist endgültig vorbei. Die Betroffenen wollen einfach nicht mehr jahrelang in Normungsgremien reden, um ein großes Papier zu verabschieden, das zum Erscheinungszeitpunkt schon wieder veraltet ist. Die IT-Welt hat uns vorgemacht wie es anders geht. Die offenen Internetstandards sind unabhängig von Normungsgremien entwickelt worden und dann als Open-Source der Community bereitgestellt worden. Genau diese Methodik wird sich jetzt auch in der Automatisierungstechnik durchsetzen. Für Jetter ist die IDA insofern wichtig, dass es heute keinem Unternehmen, schon gar keinem Mittelständler, alleine gelingen wird, einen Kommunikationsstandard zu etablieren. Hier wird das Sprichwort wahr: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wie in Ihrer vorherigen Frage bereits dargelegt: erst wenn eine Reihe von Anbieter auf dem Markt sind, wird die breite Masse der Anwender bereit sein, den Schwenk zu machen.
JetWeb wird anwendungsorientiert und nicht gerätebezogen programmiert. Was ist darunter zu verstehen?
Jetter: Die klassische SPS-Technik hat Steuerungseinheiten, die jeweils mit Programmen und Daten gefüttert werden müssen. Es besteht also ein direkter Zusammenhang zwischen dem Programm und dem Hardwaregerät. In einer Umgebung mit verteilter Intelligenz, ist es nun wünschenswert, eine Maschine schon programmieren zu können, obwohl noch nicht bekannt ist, welche Steuerungshardware und Feldgeräte zum Einsatz kommen werden. So kann die komplette Anlage programmiert werden, wobei der Programmierer sich nur an den einzelnen Anwendung und den einzelnen Stationen der Maschine orientieren muss, und nicht daran, wie die Funktion, bzw. das Programm in die Steuerung oder intelligente Einheiten verteilt wird oder wie die Kommunikationsbeziehungen aussehen. Es gibt keine doppelte Datenhaltung, sondern nur ein virtueller zentraler Datenpool. Damit entfällt der sonst erforderliche mühsame Datenaustausch zwischen den Geräten. Zudem können selbst bei vollständigem Austausch der Hardware, das gleiche Programm wiederverwendet werden. Diese Vereinfachungen werden den Technologiewandel vorantreiben, anders lässt sich eine komplexe verteilte Programmierung nicht beherrschen.
In wieweit kann JetWeb auch in vorhandenen Anlagen genutzt werden?
Jetter: Die Jetter-Strategie ist auf OEMs fokussiert, i.d.R. also Maschinenbauer, die Serienmaschinen bauen. Insofern stellt sich die Frage für unsere Kunden nicht. Sollte die Einführung von JetWeb in einer bestehenden Anlage gewünscht werden, könnte die gesamte Peripherie weiterverwendet werden, allerdings müssten das Kopfmodul, also die eigentliche Steuerung und die gesamte Software austauschgetauscht werden.
Kostet die JetWeb-Technologie gegenüber dem traditionellen Ansatz mehr?
Jetter: Unsere Kunden müssen keinen Preisnachteil gegenüber der gängigen SPS-Technik in Kauf nehmen, was auch ein erklärtes Entwicklungsziel war. In dieser Rechnung sind die Vorteile von JetWeb nicht einbezogen. Je komplexer die Anlage, umso stärker werden sich diese Vorteile aber in geringeren Gesamtkosten niederschlagen. Die Gesamtkosten reduzieren sich für JetWeb-Kunden auch deshalb, weil er mit JetLab ein Tool nutzen kann, dass z.B. eine komplette Visualisierung und Programmierung der Anlage mit einer Software erlaubt. Damit entfallen z.B. Runtime-Lizenzen oder auch zusätzliche Kosten für Treiber.
Wie haben Sie die Entwicklung von JetWeb finanziert?
Jetter: Ein Teil diese Gesamtstrategie war der Börsengang im August 99, der die finanzielle Grundlage für die technologischen Entwicklungen geliefert hat. Wir haben im letzten Geschäftsjahr knapp 9 Mio. DM in die Entwicklung investiert, das ist für ein Unternehmen unserer Größenordnung sehr viel. Wie sich gezeigt hat, haben wir im letzten Jahr trotzdem schwarze Zahlen geschrieben. Mit anderen Worten: Unserer Ansicht nach beweist dies, dass auch ein mittelständisches Unternehmen langfristig trotz hoher Entwicklungsinvestitionen Geld verdienen kann. Wichtig ist dabei nur, dass die Entwicklungsressourcen und -aufwendungen zukunftsorientiert eingesetzt werden. Dass bedeutet für ein mittelständisches Unternehmen, das es einen sehr hohen Innovationsgrad haben muss. Es wird sich sicher nicht lohnen, auf breiter Basis Commodity-Produkte zu entwickeln, die dann in direkten Wettbewerb zu den Produkten der Großen darstellt.
Stehen die Kosten für die AG dem Nutzen in vernünftigen Maßen gegenüber - besonders in Anbetracht der gegenwärtigen Börsenstimmung?
Jetter: Es gibt in der Tat eine Reihe von zusätzlichen Anforderungen, die sich aus der Börsennotierung ergeben. Vor allem die Kosten, die sich aus dem umfassenden Berichtswesen ergeben, stellen eine gewisse Last für ein mittelständisches Unternehmen das. Auf der anderen Seite treten positive Effekte auf: Ein besseres Image, einen höheren Bekanntheitsgrad. Das Berichtswesen bringt es mit sich, dass die Führung eine bessere Kontrolle über das Unternehmen hat und diszipliniert das operative Geschäft führt. Der Haupteffekt ist aber, dass Kapital für die Weiterentwicklung in das Unternehmen fließt. Was die Situation am neuen Markt angeht, hat uns die Entwicklung bis jetzt nicht so tief getroffen, wie einige andere. Die kurzfristige Börsenentwicklung sollte bei der Entscheidung an die Börse zu gehen auch keine Rolle spielen. Es handelt sich um eine extrem langfristige Strategie. Insofern darf man sich nicht von schwierigen Phasen am Kapitalmarkt irritieren lassen.
Schadet Ihnen die Offenlegung der Zahlen, zu den ja auch die Konkurrenz Zugang hat?
Jetter: Was sicherlich für ein mittelständisches Unternehmen am gewöhnungsbedürftigsten ist und häufig auch negativ gesehen wird, ist die vollständige Transparenz. Im praktischen Leben ist das die gravierendste Folge. Was immer für das Geschäft von Bedeutung ist, muss adhoc gemeldet werden. Die Zahlen stehen bis ins Detail jedem offen, der das Internet bedienen kann. Daran muss sich ein mittelständisches Unternehmen erst gewöhnen.
Sie wollen sich auf Key-Accounts konzentrieren. Hat das was mit der gegenwärtigen Situation ihrer Kunden, die zu 40% der Halbleiterbranche zuzuordnen sind, zu tun?
Jetter: Die Konzentration auf wenige Accounts ist in Zusammenhang mit der JetWeb-Einführung zu sehen und hat nichts mit der gegenwärtigen Situation am Kapitalmarkt oder unserer Kunden zu tun. Die Einführung von JetWeb-Produkten, das haben wir in den letzten Monaten seitdem wir Projekte machen gelernt, erforderte natürlich einen gewissen Betreuungsaufwand. Dafür haben wir begrenzte Ressourcen, die wir optimal einsetzen wollen. Auch wenn wir den dritten Einbruch in acht Jahren erleben, seit wir in der Halbleiterbranche Kunden haben, wächst dieser Markt durchschnittlich immer noch deutlich stärker als die meisten anderen Branchen und stärker als die Automatisierungsbranche. Daher bleibt dieser Markt für uns attraktiv
Welche Vision treibt Sie an, Herr Jetter?
Jetter: Unser Ziel ist sicher nicht die pure Größe oder die dominante Marktstellung. Unser Ziel ist es, das Unternehmen gesund langfristig weiterzuentwickeln, dazu gehört natürlich ein gewisses Wachstum. Zur Sicherstellung dieses Wachstums brauchen wir innovative Mitarbeiter und Produkte. Insgesamt muss man aber sagen, dass die JetWeb-Technologie einen so großen Quantensprung darstellt, das die Produkte der nächsten Monate oder auch Jahre eher eine Evolution darstellen werden. Jetzt muss sich das JetWeb erst mal etablieren. Wir haben aber ganz klar zum Ziel, wie wir das auch schon in den letzten Jahren für uns in Anspruch genommen haben, technologisch weiter führend zu bleiben, und dadurch ein natürliches Wachstum sicherzustellen, das für eine langfristige gesunde Unternehmensentwicklung sorgt. Das lässt sich salopp in einem Satz zusammenfassen, den ich schon oft zu unseren Mitarbeitern gesagt habe, und den sie mir auch abnehmen, so glaube ich jedenfalls: Ich wünsche mir für uns alle, das wir das Rentenalter in diesem Unternehmen erreichen. AD51100
Abbildungsunterschriften: Abb. 1 : Verteilte Intelligenz wird bei der JetWeb-Technologie mit prozessnaher Flussgiagrammsprache programmiert. Die objektbasierte Programmierung kann durch textuelle Programmierung ergänzt werden. Abb. 2: Bei der verteilten Intelligenz werden mehrere physikalisch dezentrale Einheiten, wie zum Beispiel die JetNode-Steuerungen, logisch als Einheit betrachtet. Abb. 3: Die JetNode-Steuerungen der JetWeb-Technologie verfügen über integrierte Web-Server und nutzen IT- und Web-Standards. Ethernet TCP/IP ist das Kommunikationsmedium, die Programmierung ist grafisch und objektbasiert. |
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