Erschienen im A&D NEWSLETTER 6/2000, S.66
Mit Hilfe von ‚Totally Integrated Power‘ (T.I.P.), einem abgestimmten System von Produkten und Engineering-Tools zur Optimierung der elektrischen Energieverteilung können laut Siemens im Zweckbau, der Industrie und in Infrastrukturprojekten ein Viertel der Energiekosten einspart werden. Das folgende Interview beleuchtet die von Siemens verfolgte Zielsetzung und realisierbare Einsparungspotentiale in der Energieverteilung.
A&D NL: Worin liegt der wesentliche Nutzen für den Anwender von Simaris bzw. T.I.P.?
Strehle: Der wesentliche Nutzen für den Kunden liegt in den Einsparungsmöglichkeiten rund um das Thema Energieverteilung - von den Planungskosten und der angepassten Dimensionierung der Energieversorgung über die sichere Versorgung im Betrieb, die permanente Transparenz des Anlagenzustands bis zu individuellen, dem einzelnen Verbraucher zuordenbaren Kosten.
A&D NL: Gibt es eine bestimmte minimale Projektgröße, ab der sich der Einsatz von Simaris lohnt?
Strehle: Der Planer kann kleine und große Projekte wirtschaftlich planen. Je komplexer die Anlage ist, um so größer sind natürlich die positiven Effekte. Bisher sehen wir T.I.P. nicht in der Wohnraumgebäudeplanung. Für die Zukunft möchte ich dies aber nicht ausschließen.
A&D NL: Inwieweit war es nötig, die Siemens-Produkte in Hinblick auf T.I.P. zu erweitern oder anzupassen?
Strehle: Auf der Hardwareseite sind kaum Änderungen notwendig gewesen. T.I.P bezieht die vorhandenen Katalogprodukte von der Mittelspannung über die Niederspannung bis hin zur Installationstechnik ein. Auf der Softwareseite hat sich dagegen viel getan: Die vorhandenen Werkzeuge der drei Siemens-Bereiche sind in die neue durchgängige Softwareumgebung Simaris eingeflossen. Da der Planer mit Simaris die gesamte Energieverteilung betrachten kann, ist es ihm nun möglich, z.B. nur die wirklich benötigten Kabelquerschnitte oder die exakte Stellfläche der Anlagen zu ermitteln. Zusammen ergibt das ein System, das mehr ist als die Summe seiner Einzel-Produkte. Die Durchgängigkeit von Totally Integrated Power wird durch ein übergreifendes Schutzkonzept, eine einheitliche Projektierung und eine leistungsfähige Kommunikation erreicht. Durch den Einsatz eines solchen abgestimmten Systems lassen sich erhebliche Kosten einsparen. Diese übertreffen schon in der Investitionsphase schnell 10 Prozent des Anlagenpreises.
A&D NL: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit für den Kunden?
Strehle: A&D ist der federführende Siemens-Bereich in Bezug auf T.I.P, da er den besten Industriezugang hat und über umfassende, auch für T.I.P. nützliche Erfahrungen mit ‚Totally Integrated Automation‘. verfügt. Bei Projekten in Italien und Spanien hat sich dieses Vorgehen bewährt. Unter der Leitung eines Projektmanagers betreut eine vierköpfige Gruppe, die aus Experten der beteiligten Siemens-Bereiche besteht, den Kunden und das Projekt. Eine Reorganisation der Bereiche macht hier keinen Sinn. Das heißt, wir setzen weiter auf eine horizontale Zusammenarbeit der Bereiche.
A&D NL: Spiegelt sich der Erfolg von T.I.P in einer Umsatzsteigerung wider?
Strehle: Mit ‚One Face to the Customer‘ und dem abgestimmten Siemens-Angebot der gesamten Energieverteilung aus einer Hand konnten wir binnen Jahresfrist in Italien ein Umsatzwachstum von rund 15 Prozent und in Spanien von rund 20 Prozent erzielen - ein Wachstum, das üblicherweise im unteren einstelligen Bereich gelegen hätte. T.I.P hilft uns, neue Kunden-Lieferanten-Beziehungen aufzubauen. Wo wir bisher den Zuschlag für einen Teil des Projekts bekommen haben, konnten wir jetzt unseren Anteil auf 100% ausdehnen. Natürlich liegt das nicht nur an den möglichen Kosteneinsparungen oder am Trend zur Vergabe von Aufträgen an Generalunternehmen, sondern auch daran, das es für den Planer einfacher ist, im Planungswerkzeug verfügbare Produkte zu wählen, als sich die Mühe der möglichen, aber aufwendigeren Einbindung von Produkten anderer Unternehmen zu machen. Obwohl der Markt für Energieverteilung wie z.B. in Deutschland teilweise sogar rückläufig ist, rechnen wir dank unserer Erfahrungen mit T.I.P. für unser Unternehmen auch in diesen Bereichen mit einem gesunden Wachstum. Dies gilt natürlich erst recht für Regionen wie Asien, in denen im Allgemeinen noch Wachstumspotential steckt. In den USA sind die an T.I.P beteiligten Siemens-Bereiche schon immer stärker zusammen aufgetreten und waren sehr erfolgreich. Die guten Geschäfte erhalten durch T.I.P sicherlich einen zusätzlichen Auftrieb. Im Zielmarkt für Totally Integrated Power, der ein Volumen von 10 Milliarden Euro repräsentiert und bis 2003 jährlich mit zwei Prozent wachsen soll, beabsichtigt Siemens etwa viermal so schnell zu wachsen wie der Markt.
A&D NL: Welches Lizenzmodell ist für Simaris geplant?
Strehle: Wir denken an eine einmalige Schutzgebühr für unsere Patente. Jeder in der Kette vom Planer bis zum Installateur soll Zugang zur Software haben.
A&D NL: Nimmt Simaris den Planern einen Teil der Arbeit ab, die er bisher als spezielles Know-how dem Markt anbieten konnte?
Strehle: Nein, wir nehmen ihm nur die handwerkliche Arbeit ab. Die Kreativität als Technologe und als Planer kann und muss er nach wie vor einbringen. Wollte ein Architekt zum Beispiel den Platzverbrauch einer Anlage mit einigen Verbrauchern in verschiedenen Szenarien ermitteln, musste er viel Zeit investieren. Simaris vereinfacht diese Arbeit und ermöglicht so dem Planer, das Optimum schneller zu finden.
A&D NL: Fehlen noch Werkzeuge in der Toolkette?
Strehle: Aus Siemens-Sicht halte ich es nicht für erforderlich, weitere Werkzeuge zu integrieren.
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