Erschienen im A&D NEWSLETTER 6/2000, S. 60
Nach der Bürowelt erobert die intra- und internetgestützte Kommunikation immer mehr auch die Fertigungs- und Servicebereiche der Industrie. Viele Unternehmen haben erkannt, dass sich damit Prozesse und Abläufe vorzüglich integrieren und effizienter und kostengünstiger gestalten lassen. Eine neue Generation portabler Webpads vereint die dafür erforderliche Robustheit, Zuverlässigkeit und einfache Bedienbarkeit mit Funktionalität und Geschwindigkeit auf höchstem Niveau - für ein breites Spektrum mobiler Anwendungen in der industriellen Kommunikation.
Globale Erfassung, Austausch und Präsentation von Daten über stationäre Rechner und Terminals - bei ‚Internet für alle‘ noch Zukunftsmusik - sind in weiten Bereichen der Industrie längst alltägliche Praxis. Zumindest auf der Büroebene gehören Internet und Intranet zum gängigen Instrumentarium. Die Informationstechnologie zieht heute in fast alle produzierenden und dienstleistenden Bereiche ein. Die klassischen Schichten und hierarchischen Grenzen der industriellen Kommunikation sind in Bewegung geraten. Und schon steht ein weiterer Quantensprung bevor: Die mobile Erfassung und Übermittlung von Daten an jedem Standort, vom Gabelstapler im Lager über die Maschine vor Ort bis hin zum Serviceeinsatz in weitläufigeren Einrichtungen, wie Flughäfen oder Pipelines.
Mobilität stark im Kommen
Unter Experten besteht kein Zweifel: Der Schlüssel zum Markterfolg von morgen liegt in der Bereitstellung und Verfügbarkeit von Informationen an jedem Ort, zu jeder Zeit und auf unterschiedlichsten Wegen. Wurden bisher überwiegend stationäre PCs für den Informationsaustausch genutzt, werden es in Zukunft vermehrt mobil einsetzbare, webfähige Geräte sein: Notebooks, Palmtops und WAP-fähige Geräte haben sich auf dem Consumermarkt etabliert. Erste Webpads - auch als Tablett-PCs bezeichnet - sind im Kommen. Andererseits zeigen einschlägige Untersuchungen, dass schon heute rund 60 Mio. Menschen existieren, die mindestens 20% ihrer Arbeitszeit fernab vom Schreibtisch verbringen - Tendenz steigend. Die Zuwachsraten sind zweistellig. Fast die Hälfte aller Angestellten meint außerdem, dass ihr Aufgabenbereich zumindest eine ‚mobile Komponente‘ enthält. Die renommierte META Gruppe prognostiziert, dass jeder dieser Mobilarbeiter in drei bis vier Jahren durchschnittlich vier Kommunikationsgeräte besitzen und nutzen wird. Für 2002 wird mit ca. 19 Mio. mobiler Computer im Einsatz und Verkaufszahlen deutlich über denen stationärer PCs gerechnet. Gründe dafür gibt es mehr als genug. Auch in weitläufigen Industrieanlagen und -arealen kann der Einsatz eines mobilen Webpads die Anzahl der stationärer PCs und die damit verbundenen Investitions- und Folgekosten deutlich reduzieren.
Technische Anforderungen
Eines der wichtigsten Elemente des von Siemens neu entwickelten ‚Mobile Industrial Communicator‘ (Mobic) ist daher die drahtlose Funkschnittstelle zur Anbindung an lokale Netzwerke (Wireless LAN nach IEEE 802.11b). Diese Technologie ermöglicht den Aufbau individueller Funknetze aus einzelnen oder mehreren Funkzellen mit einem Aktionsradius von jeweils 30 bis 100 m. Die Funknetz-Server kommunizieren drahtlos mit einem oder mehreren Webpads (Web-Clients). Damit die Mobilität nicht wie bei konventionellen Notebooks auf wenige Stunden begrenzt wird, ist das Webpad mit einem leistungsstarken Akku ausgerüstet, der unabhängig von der übertragenen Datenmenge oder der Einschaltdauer des Displays genug Energie für eine 8-Stunden-Schicht bereitstellt. Dritte Voraussetzung für ein universell einsetzbares mobiles Webpad ist eine möglichst große Schnittstellenvielfalt, um ohne langes Konfigurieren oder gar Montieren die Anbindung an unterschiedlichste Netzwerke zu gestatten. Die neuen Webpads aus dem ‚Simatic NET‘-Spektrum sind daher mit zahlreichen Schnittstellen ausgestattet: Neben der Anbindung an lokale Funknetze über PCMCIA-Steckkarte verfügen sie über eine Infrarot- und eine Fast-Ethernet-Schnittstelle, einen USB-Port für den Anschluss externer Komponenten (z.B. Tastatur, Maus, Drucker) und eine serielle Schnittstelle (RS232) zum Abgleich zwischen Webpad und Host-PC sowie zum Auslesen von Maschinendaten. Über einen zweiten PCMCIA-Anschluss (Typ II) lässt sich ein GSM-Modul samt Headset integrieren, um den mobilen industriellen Kommunikator für die weltweite Telefonie zu ertüchtigen. Sobald die Funktionalität ‚Voice over IP‘ unter Windows CE zur Verfügung steht, werden außerdem Telefongespräche über das Internet (Web Phone) möglich sein. Alternativ dazu können über PCMCIA natürlich auch Barcodeleser, Speichererweiterungskarten und andere Peripheriegeräte verschiedener Hersteller angeschlossen werden.
Designed for Industry
Die Umgebungseinflüsse, denen Webpads im industriellen Einsatz ausgesetzt sind, unterscheiden sich grundlegend von denen im Büro oder auf Reisen. Der Kontakt mit Staub, Öl, Schmier- und Kraftstoffen, Spritzwasser, unterschiedliche Temperaturen, Vibrationen und Stöße verlangen den Geräten sehr viel mehr ab. Das Webpad ist daher nach der hohen Schutzart IP65 für den rauen Industrieeinsatz ausgelegt. Sein hoch auflösender TFT-Touchscreen sitzt in einem chemikalienbeständigen Gehäuse aus schlagzähem Kunststoff. Breite seitliche Griffelemente aus stoßabsorbierendem Elastomer gewährleisten, dass das Gerät selbst Stürze aus 2 m Höhe sicher übersteht. Ein weiter Einsatztemperaturbereich von -20°C bis +50°C steht für störungsfreien Betrieb zu jeder Jahreszeit auch im Freien. Und das festplattenlose Betriebssystem Windows CE trägt zur Robustheit, insbesondere zur Vibrationsbeständigkeit des Geräts entscheidend bei. Daraus ergibt sich eine sehr hohe Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit, was den höheren Anschaffungspreis gegenüber Consumer-Webpads schnell wett macht - vor allem dann, wenn man den Zeit- und Kostenaufwand für das Wiedereinrichten der Software und das Abgleichen von Datenbeständen nach Geräteausfällen mit einbezieht.
Einfaches Handling für hohe Akzeptanz
Neben der Robustheit fällt der kompakte und einfache Aufbau sofort ins Auge: Das 1,5 kg leichte Gerät ist mit 28,4 x 19,5 x 5,7 cm (B x H x T) ein gutes Stück kleiner als ein Notebook und etwa doppelt so groß wie ein Palmtop. Im rechten Griffelement sind fünf Funktionstasten integriert, die sich mit häufig benötigten Funktionen frei belegen und somit der jeweiligen Anwendung individuell anpassen lassen. Ansonsten wird das Webpad einfach per Finger, Lesestift oder Soft-Tastatur direkt auf dem Touchscreen bedient. Standardbedienoberfläche ist ein CE-Webbrowser, über den sich der Anwender ins lokale Intranet oder auch ins World Wide Web einwählt, um Informationen wie Prozess- und Diagnosedaten, Schalt- und Gebäudepläne, Arbeitsanweisungen oder Produktinformationen ab- oder aufzurufen bzw. vor Ort Daten zu erfassen. Letzteres ist natürlich auch offline und in prozessspezifischen Eingabemasken möglich. Der Upload zum Server erfolgt dann zu einem späteren Zeitpunkt. Darüber hinaus bietet Mobic eine lernfähige Handschrifterkennung. Für zügiges Abarbeiten der standardisierten oder nachträglich implementierten Software sorgen in der Grundversion ein schneller Prozessor, ein leistungsfähiger Grafik-Controller sowie 48 MByte RAM und 32 MByte Flash-Speicher, erweiterbar bis 440 MByte.
Breites Anwendungsspektrum
Mobilität, Robustheit und Einfachheit sind die Grundvoraussetzungen für den industriellen Einsatz und die Akzeptanz von Webpads auf breiter Basis. Das unter diesen Vorgaben entwickelte Webpad Mobic von Simatic NET zählt zu den ersten Vertretern einer innovativen Geräteklasse, die einer Vielzahl von Anwendungen in unterschiedlichsten Funktionen und Branchen entgegen kommt:
· Produktion: Hier bietet sich der Einsatz als mobiles Daten-Interface im Qualitätsmanagement und in der Prüftechnik an, etwa in der Automobilbranche mit ihren weitläufigen Anlagen. Vorteil in jeder Art von Serienfertigung ist die schnelle Erfassung, Visualisierung und Kommunikation von Produktionsdaten an beliebiger Stelle, beispielsweise durch die Arbeitsvorbereitung oder den Vertrieb. Denkbar ist dabei natürlich auch der Einsatz des Webpads als mobiles Bedien- oder Programmiergerät mit oder ohne Anbindung an den Leitrechner der Anlage. · Service: Bei Serviceeinsätzen im Feld sparen schnell verfügbare Dokumentationen, Arbeitsanweisungen, Konstruktionszeichnungen, Ersatzteillisten oder Software-Updates wertvolle Zeit und Kosten. Dies gilt für das Facility Management von Produktionsanlagen, Gebäudekomplexen, Messegeländen oder Flughäfen ebenso wie für Arbeiten an Infrastruktureinrichtungen, von Telefon-, Energie- und Wasserversorgungssystemen bis hin zu Bahnstrecken, Gas- und Ölpipelines. Besonders flexibel, weil stationär in der Werkstatt und mobil im Außendienst nutzbar, sind Webpads bei Service und Wartung von Pkws, Lkws, Schienenfahrzeugen, Flugzeugen oder Schiffen. So hat beispielsweise der Servicetechniker immer die richtigen Einstelldaten für das jeweilige Modell parat, kann Ersatzteilbestellungen über sein Webpad vor Ort sofort absenden (eCommerce) und/oder in Abstimmung mit der Servicezentrale schnell einen verbindlichen Kostenvoranschlag erstellen. · Logistik: Potentielle Mobic-Anwendungen auf diesem Sektor sind das Lagerwesen, insbesondere die Erfassung von Restbeständen manuell geführter Lager, Gabelstapler-Leitsysteme sowie die Disposition und Verwaltung von Aufträgen. Und wo ‚Mobilität ohne Grenzen‘ verlangt wird, wie bei Paketdiensten, in Containerhäfen, dem Cargo-Handling auf Flughäfen oder in der sonstigen Transportlogistik, ist das Webpad in seinem Element. · Sicherheit: Robustheit und zuverlässige Kommunikation ist schließlich auch in einigen industriefremden Bereichen unerlässlich, so beispielsweise im Polizeidienst, bei Wach- und Schließgesellschaften, Feuerwehren und Rettungsdiensten - überall dort, wo Daten mobil oder ‚ambulant‘ erfasst und schnell übermittelt werden müssen.
Softwareausstattung
Mit seiner umfangreichen Software-Grundausstattung (Windows CE, Internet Browser mit Java Virtual Machine, Outlook, Word) ist das Mobic Webpad für alle Applikationen im Internet bzw. Intranet, unter Windows NT/2000 und Windows CE bestens gerüstet. Darüber hinaus befinden sich branchen- und kundenspezifische Softwarelösungen und deren Integration in bestehende Systeme in der Entwicklung.
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