 |
| Dr.Reinhard Hüppe |
Angetrieben von wachsenden Anwendungen und der Verbreitung der drahtlosen Kommunikation im Telekommunikations- und Computerbereich, haben Funktechnologien heute eine Reife und ein Preisniveau erreicht, welches sie auch für industrielle Anwendungen einsetzbar macht. Die Vorteile einer drahtlosen Datenübertragung liegen auf der Hand. Bei der Einbindung mobiler, beweglicher oder weit entfernter Anlagenteile in Automatisierungskonzepte ist der Nutzen drahtloser Kommunikation wohl am Offensichtlichsten. Drahtgebundene Kommunikation ist in solchen Fällen entweder gar nicht realisierbar oder-wie bei Schleifringen oder Schleppkabeln - mit erhöhtem Wartungsaufwand verbunden. Zudem sind die letztgenannten Lösungen oft störanfällig. Beim Bedienen und Beobachten besteht mit funkbasierten Lösungen die Möglichkeit, jederzeit an jedem Ort auf Anlageninformationen zuzugreifen. Das erhöht die Effektivität bei Inbetriebnahme, Bedienung und Instandhaltung. Nicht zuletzt unterstützt die Funkkommunikation flexible Anlagenkonzepte, da der Aufwand für die Neuverkabelung der Kommunikation und die vergleichsweise einfache Installation bei Umrüstungen Kosten einzusparen hilft. Beispiele für Anwendungen sind die Steuerung von fahrerlosen Transportsystemen, von Elektrohängebahnen und Krananlagen, kabellose Positionsschalter an Werkzeugmaschinen, mobiles Bedienen und Beobachten oder die Übertragung von Fehler- und Statusmeldungen wie Füllstände von entfernten Tankbehältern und Kläranlagen. Sehr sorgfältig ist dabei die in Frage kommende Technologie für den individuellen Anwendungsfall auszuwählen. Bei der Vielzahl von unvermindert anhaltenden Entwicklungen auf dem Gebiet der digitalen Funkkommunikation steht der Anwender vor einem echten Problem. Nach welchen Kriterien soll er seine Entscheidungen treffen? Sind es die Leistungsmerkmale von Systemen, die von der drahtgebundenen Kommunikation her bekannt sind, wie Datenrate, Zykluszeiten, Antwortzeiten, zu übertragende Datenmengen? Oder sind es die sich aus der Anwendung heraus ergebenden speziellen Anforderungen, die auch zum Einsatz der Funktechnik motivieren - Mobilität der Geräte, Reichweite, Zuverlässigkeit, Schutz vor unberechtigtem Zugriff auf die Daten oder vor unberechtigtem Mithören der Daten usw.? Da es bezüglich der Anwendung drahtfreier Technologien für den Einsatz in Maschinen und Anlagen noch keine den Feldbustechnologien vergleichbaren Standards gibt, ist eine abwartende Haltung der Anwender bzw. die Forderung nach vergleichbaren Standards oder Festlegungen nicht verwunderlich. Die Palette der angebotenen Standards ist groß: WLAN, Bluetooth, ZigBee, WIMAX, NanoNet, GSM oder UMTS, um nur einige zu nennen, sind Ansätze von Standardlösungen, die die nach wie vor existierenden proprietären Funklösungen wohl mittelfristig ablösen werden. Sie unterscheiden sich durch die genutzten Frequenzbereiche, Kanalbandbreiten, Frequenznutzungsparameter wie Frequenznutzungsdauer usw. und können sich teilweise untereinander beein- flussen und stören. Umso höher sind daher die Untersuchungen von Experten aus ZVEI-Mitgliedsunternehmen zu werten, die die Koexistenz der verschiedenen Technologien und den Einfluss von Störquellen betrachten. Erste Ergebnisse der Fragestellung „Wer kann wen unter welchen Bedingungen stören?“, die zunächst theoretisch erarbeitet und dokumentiert wurden, ergeben eindeutig, dass die Thematik absolut beherrschbar ist. Vor dem Betrieb dieser Technologien ist jedoch ein Frequenzmanagement bzw. eine entsprechende Frequenzplanung durch den Anwender für seine konkrete Applikation sinnvoll und auch notwendig. Zusammenfassend ist festzustellen, dass industrietaugliche Lösungen zur Verfügung stehen, die in einer Reihe von Anwendungen ihre Zuverlässigkeit nachgewiesen haben und auch erste Standardisierungsbemühungen für die industrielle Automatisierung existieren. Diese sind eine wichtige Voraussetzung für den breiten Einsatz von Funktechnologien. Vollbeitrag als PDF |
| |
|
 |
|