Erschienen im A&D SOFTWAREGUIDE 2001
Georg Süss ist Marketing Manager Europe der Intellution GmbH.
In der Vergangenheit nahm die Automatisierungssoftware eine Sonderstellung ein: Sie war geprägt durch proprietäre Anwendungen, die stark auf die speziellen Anforderungen der Automatisierungstechnik zugeschnitten waren. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Erweiterung der Systeme und die Weiterverwendung von Prozessdaten. Mit dem Einzug der PCPlattform in die Automatisierungswelt änderte sich diese Situation erstmals. Nun konnte eine Standard-Hardware zusammen mit Software verwendet werden die ebenfalls in anderen Bereichen eingesetzt wird. Mit der Zeit kam auch die Unterstützung offener Schnittstellen wie der dynamische Datenaustausch (DDE) oder OLE für die Prozesssteuerung (OPC) dazu, so dass jetzt auch der Datenaustausch zwischen einzelnen Automatisierungssystemen und mit anderen Anwendungen möglich wurde. In den letzten Jahren lassen sich nun zwei neue Entwicklungen beobachten, die auf die Automatisierungssoftware einen wesentlichen Einfluss haben: die verstärkten Bemühungen hinsichtlich einer Integration der Automatisierungs- mit der Geschäftswelt und der Siegeszug des Internets. Für eine verbesserte Integration von Automatisierungs und Geschäftssystemen sind dabei insbesondere die unterstützten Möglichkeiten zum Datenaustausch auf der Basis offener Schnittstellen wichtig. Auf diese Weise kann z. B. eine eingegangene Bestellung direkt an die Fertigung weitergegeben, die Produktion auf Basis der verfügbaren Ressourcen geplant, der Versand am Ende der Produktion automatisch angestoßen und die Rechnung gedruckt und versandt werden. Für die Realisierung dieser Funktionalität ist die Unterstützung offener Schnittstellen allerdings alleine noch nicht ausreichend. Vielmehr ist dafür auch ein Transaktions-Prozessor notwendig, der für den Datenaustausch zwischen den Einzelsystemen verantwortlich ist. Da die verschiedenen Systeme des Gesamtsystems allerdings in der Regel auch auf Daten in unterschiedlichem Format aufsetzen, muss im Transaktions Prozessor ebenfalls die Möglichkeit zur Datenmanipulation unterstützt werden. Auf diese Weise kann ebenfalls eine Verdichtung von Daten aus der Automatisierungsebene in Information und Wissen für die Geschäftswelt erfolgen. Auf diesem Weg wird die in IT-Abteilungen zunehmend geforderte Zusammenarbeit der Automatisierungs- mit der Geschäftswelt Wirklichkeit. Die für den Standard-Anwender von Automatisierungssoftware aber bedeutendere Veränderung betrifft den Einsatz von Web-Technologie. Dazu bildet das Internet mit seinen Möglichkeiten, auf einzelne Daten von beliebigen Rechnern überall auf der Welt zuzugreifen und auch in einer grafischen Form anzuzeigen, die Grundlage. Voraussetzung dafür ist die Unterstützung eines Softwaremodells, das auf einer Client/Server-Architektur aufsetzt. Während auf dem Server die verschiedenen Daten gesammelt und für die Weiterverwendung zur Verfügung gestellt werden, können verschiedene Clients diese Daten individuell zugreifen, weiterverarbeiten und dem Anwender darstellen. Gegenüber den bisher angebotenen Lösungen ist dabei auf den Client-Stationen die Installation spezieller Softwarekomponenten nicht länger notwendig. Vielmehr genügt ein Standard-Internetbrowser, um die verschiedenen Informationen anzuzeigen. Auf diese Weise kann etwa der aktuelle Prozesszustand in einer Visualisierungsumgebung dargestellt werden. Möglich sind aber ebenfalls weitere Formen von Anzeigen, wie etwa die Darstellung historischer Daten oder die Erstellung individueller Berichte. Dazu werden die auf dem Server vorliegenden Daten in geeigneter Weise weiterverarbeitet und gegebenenfalls verdichtet. Wurde dafür eine verteilte Client/Server-Architektur gewählt, müssen nicht erst die einzelnen Daten für Weiterverwendung auf den Client kopiert werden. Vielmehr werden alle Daten ausschließlich auf dem Server gehalten und dort von den verschiedenen Clients direkt zugegriffen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass der Internetbrowsers nicht nur als Basis für die Laufzeitumgebung, sondern ebenfalls für die Erstellung der Anwendung und die Konfiguration der Anzeigen verwendet werden kann. Für den Anwender bedeuten diese Weiterentwicklungen in der Automatisierungssoftware eine deutliche Steigerung der Flexibilität. So ist es nicht mehr länger ausschlaggebend, welche Station in einem umfassenden Netzwerkverbund für welche Aufgaben eingesetzt werden soll. Vielmehr können alle eingebundenen Stationen in gleicher Weise für die Anzeige der verschiedenen Informationen genutzt werden. Als Konsequenz daraus wird sich auch ein neues Lizenzmodell entwickeln das nicht mehr auf fest zugeordneten Stationen aufsetzt, sondern auf Server-Basis die gleichzeitige Nutzung bestimmter Client Funktionalitäten in einer vorgegebenen Anzahl unterstützt.
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