Erschienen im A&D SOFTWREGUIDE 2001
Kurt Küherz ist Geschäftsführer bei Rockwell Automation
Seit ihren Anfängen ist der erfolgreiche Einsatz der Automatisierungstechnik an folgende Kriterien gebunden: höhere Wirtschaftlichkeit, technische Beherrschung der Prozesse sowie ein hoher Sicherheitsstandard. Erst wenn alle drei Anforderungen in vollem Umfang erfüllt sind sollte eine Entscheidung für eine Investition getroffen werden. Die ersten Schritte auf dem Weg zur Automatisierung waren zunächst geprägt durch die Hardware. Antriebe, Steuerungen und Sensoren bilden auch heute noch gewissermaßen das Fundament, mit dem der Bezug zur realen Produktionswelt hergestellt wird. Auf dieses Fundament setzt als das tragendes Gerüst für den Produktionsablauf spezialisierte Software auf; die Säulen der Automatisierung. Nehmen wir ein Beispiel aus der Bautechnik. Eine flexible und kostengünstige Lösung für eine Fertigungshalle entsteht allein durch die richtige Auswahl und die anforderungsgerechte Verbindung der tragenden Teile. Vergleichbares gilt für den Softwareeinsatz in einem produzierenden Unternehmen: Die Entscheidung für die Softwareprodukte und deren Verbindung untereinander bestimmt sowohl die Stabilität als auch die Effizienz der Produktion. Wie lassen sich die oben aufgeführten Kriterien der Automatisierungstechnik erfüllen? Das technische Beherrschen der Produktionsabläufe mit ihren Geschwindigkeitsanforderungen bei sehr schnellen, komplexen Prozessen ist eindeutig eine Aufgabe der Steuerungsebene. Hier bietet die Programmiersoftware eine entsprechend dem IEC 61131-3-Standard aufgebaute Entwicklungsumgebung, um die geforderten Steuerungsabläufe zu realisieren. Um Zusatzinvestitionen zu vermeiden ist der Anwender in der Lage, mit ein und demselben Softwarepaket kleinere Applikationen im Sinne von klassischen Kleinststeuerungen, aber auch umfangreiche Anlagen, ggf. mit redundant aufgebautem System effizient zu erstellen, bzw. zu pflegen. Sicherheit, insbesondere die Vermeidung von Entscheidungs- und Bedienfehlern, ist immer verbunden mit einer situationsgerechten, übersichtlichen Darstellung der aktuellen Zustände und einer eindeutigen und einfachen Bedienung der Maschinen. Die Visualisierungslösung ist der Vermittler zwischen Bediener und Maschine. Der Bediener einer Anlage benötigt die richtige Information am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Richtige Information heißt, die Zustandsinformationen müssen entscheidungsrelevant aufbereitet sein. Am richtigen Ort heißt, in der unmittelbaren Nähe des Bedienpersonals. Zusammen mit dem richtigen Zeitpunkt bedeutet dies, eine durchgängig gleiche Darstellung von gleichen Anlagenkomponenten muss immer sicher gestellt sein, unabhängig davon ob der Bediener während der Nachtschicht im Leitstand die Anlage überwacht oder tagsüber unmittelbar an der Maschine arbeitet. Dies ist mit einem Visualisierungssystem umsetzbar, das nach dem ‚ViewAnyWare‘-Konzept aufgebaut ist. Die Wirtschaftlichkeit einer Produktion sollte stets im Zusammenhang aller Bereiche des Unternehmens gesehen werden. Dazu gehören Einkauf, Verkauf, Produktion, interne und externe Logistik. Definierte Produktionsbedingungen mit einer zustandsbasierten Planung und Steuerung bringen eine bessere Auslastung bei gleichzeitiger Reduzierung der notwendigen Ressourcen. Unter dem Oberbegriff ‚e-Manufacturing‘ ist die Integration dieser Software ein Kernbestandteil innerhalb moderner Produktionsanlagen. Dieser Softwareeinsatz ist heutzutage zwingend notwendig, um überhaupt ‚virtuelle Produktionsgemeinschaften‘ zusammen mit Zulieferern und Abnehmern bilden zu können. Denn ohne Informationsaustausch und permanentem Abgleich der aktuell verfügbaren, bzw. geplanten Ressourcen und dem vorhandenen Rohmaterial mit der bestellten Stückzahl und dem geforderten Liefertermin des Kunden wird eine wettbewerbsfähige Produktion in Zukunft kaum noch möglich sein. Damit sind die drei wichtigen Säulen der Automatisierungssoftware eindeutig definiert. Die Umsetzung zur Lösung erfordert allerdings, ähnlich den Verstrebungen zwischen tragenden Elementen eines Gebäudes, ein reibungsloses Zusammenspiel der einzelnen Softwarekomponenten: Die Programmiersoftware arbeitet mit der gleichen Datenbasis wie die Visualisierung, der Bediener kann im Bedarfsfall auf die Darstellung des entsprechenden Programmabschnittes innerhalb seiner Bedienoberfläche zurückgreifen und die Produktionsplanung sieht die aktuell verfügbaren Ressourcen aus den übertragenen Anlagenzuständen. Schon heute sind mit den derzeit verfügbaren Softwareprodukten die Automatisierungsziele - mehr Wirtschaftlichkeit und ergonomische Arbeitsplätze bei der Steuerung komplexer Prozesse - in vollem Umfang erreichbar. Die Entwicklung auf der Softwareproduktebene unter Verwendung von etablierten Standards wird in Zukunft die Umsetzung weiter vereinfachen und die Entscheidung für den Einsatz auf ‚sichere Säulen‘ stellen. Eine der Kernkompetenzen von Rockwell Automation ist die Entwicklung und Implementation von Software für die Automatisierung. Unser Ziel ist es, durch eine konsequent marktorientierte Produktentwicklung und den Einsatz neuester Automatisierungslösungen beim Kunden zu einem Erfolg für alle Beteiligten beizutragen.‚ Complete Automation‘ lautet auch in Zukunft die richtungsweisende Strategie unseres Unternehmens. |
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