 |
| Dipl.-Ing. Claus Kühnl ist Mitarbeiter im Automatisierungsmarketing bei Phoenix Contact GmbH & Co KG, Blomberg. |
Die Automatisierungssoftware marktführender Firmen ist aus Sicht heutiger Technologie veraltet. Diese Software wurde die Anfang der 90er Jahre konzipiert, ihre Grenzen in Bezug auf Handling sowie Internet- und Netzwerk-Integration sind erreicht.
Der Käufer eines Softwareprodukts erhält heute eine CD-ROM sowie eine Software-Lizenz für einen lokalen Rechner. Die Pflege der installierten Software durch Updates und Bug-Fixes muss der Anwender selbst durchführen. Selten wird das gleichzeitige Arbeiten von Entwicklungsgruppen an einem Projekt im Netzwerk unterstützt. Die Automatisierungssoftware selbst ist so komplex, dass die Anwender oft lange Einarbeitungszeiten benötigen und trotzdem nur einen geringen Prozentsatz der Funktionalität nutzen können. Die Orientierung an der eigentlichen Aufgabe, nämlich der Automatisierung einer Maschine oder Anlage mit einzelnen, sich wiederholenden Funktionen, ist bisher nicht weit genug fortgeschritten, was der Wiederverwendbarkeit der Software enge Grenzen setzt.
Jetzt muss der Grundstein für neue Software-Konzeptionen gelegt werden. Die Anforderungen liegen in den Bereichen Handling, Netzwerkunterstützung, Versionsverwaltung und Updates sowie einem ganzheitlichen Engineering.
Automatisierungssoftware ist heute ein Spezialistenwerkzeug, welches, wenn es dem Trend zur Erweiterung der Funktionalität folgt, eher noch komplexer und damit noch schwieriger zu handhaben sein wird. Die Office-Software reagiert bereits auf Handlingprobleme, die durch die Funktionsvielfalt hervorgerufen werden. Die viel belächelten Assistenten in Microsoft-Office waren erst der Anfang; zusätzliche Unterstützung erfährt der Anwender durch Wizards, Funktionsschemata und Kontexthilfen. In Zukunft blendet die Software selbstständig nicht-benutzte Funktionen nach einer festgelegten Zeitspanne aus. Ein weiterer Trend zur Vereinfachung ist die ‚Lightware‘ - eine einfache Software mit wenigen, aber leicht zu nutzenden Funktionen, die für mehr als 90 Prozent der Anwendungen ausreicht. Ein Beispiel für solche Lightware ist die Interbus-Diagnosesoftware ‚Diag+‘.
In Zukunft arbeiten mehrere Programmierer an vielen Projekten gleichzeitig, um die Projektlaufzeit zu verkürzen. Dieser Anwendungsfall wird heute oft nur rudimentär oder gar nicht unterstützt. Ein Multi-User-Interface, das dass gleichzeitige Bearbeiten eines Projekts im Netzwerk erlaubt, schafft Abhilfe. Software muss in Zukunft sowohl auf einem Einzelplatz-Rechner als auch von einem zentralen Applikationsserver aus genutzt werden können, wobei der zentral gepflegte Applikationsserver Updates und die Versionshaltung verantwortet. In beiden Fällen wird die sporadische Online-Verbindung zum Hersteller der Software für die automatischen Updates und Bug-Fixes sorgen. Auch das Füllen von Teilnehmer- oder Baustein-Datenbanken wird online und automatisch erfolgen.
Die neuen Software-Technologien unterstützen die sogenannte Online-Software, die nicht mehr auf einem Rechner installiert werden muss und das Arbeiten von Gruppen im Internet erlaubt. Weltweit über einen Browser zugänglich, immer vom Hersteller aktualisiert und fehlerbereinigt, wird sie das Update-Problem lösen. Um teuere Software auch für sporadische Nutzer attraktiv zu machen oder Piraterie zu unterbinden, wird es die Online-Automatisierungssoftware auch als Dienstleistung im Internet geben, die im Minutentakt abgerechnet wird.
Maschinenbauer wünschen sich die Möglichkeit, die Funktionsgruppen einer Maschine von der mechanischen Konstruktion bis zur Visualisierung als ein Objekt zu betrachten. Die Mechanik ist in einzelne Funktionsgruppen wie Anleger, Drehteller, Hubtisch, oder Schrauber aufgeteilt. Die mechanischen Grenzen, die sich teilweise in der Programmierung als Funktionsbausteine oder in der Visualisierung als einzelne Objekte wiederfinden, sollten für die gesamte Engineering-Software gelten. Wenn sie an jeder Stelle konsequent eingehalten werden, hilft das, den Trend der Dezentralisierung in der Automatisierungshardware umzusetzen. Auch die Wiederverwendung mechanischer Module in einer anderen Maschine oder Anlage kann ohne Aufwand in der Software geprüft werden.
Derzeit nimmt Deutschland in der Automatisierung eine führende Position im internationalen Vergleich ein. Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen Hersteller kooperieren und die Entwicklung von Software mit neuen Software-Technologien vorantreiben, denn die Automatisierungssoftware - nicht die Hardware - ist entscheidend für die Zukunft |
| |
|
 |
|