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| Dipl.-Ing. Michael Gieselmann ist Produktmanager Automation bei der Lenze AG, Hameln. |
Modernes Engineering trägt dazu bei, die Kosten im Maschinen- und Anlagenbau deutlich zu senken. Produktionseinrichtung gehen immer seltener als fertige Lagerware an Kunden. Vielmehr werden sie aus einem Pool vorkonstruierter Module heraus zusammengesetzt und als individuelle Lösung projektiert. Unikate sind die Folge. Entsprechend hoch ist der Kostenanteil für Engineering an den Gesamtkosten _ weit über 50 Prozent.
Engineering beginnt bereits bei der Auswahl von Komponenten im Rahmen des mechanischen Aufbaus, geht weiter über das Projektieren bis hin zur Kommunikation, Inbetriebnahme und Wartungsfragen im Zuge von Lebenszyklusbetrachtungen.
Wer hier in der Lage ist, diesen Anteil an den Gesamtkosten einer Anlage zu senken, schafft nicht nur mehr Produktivität im eigenen Unternehmen. Vielmehr steigt die Wettbewerbsfähigkeit im Markt. Lenze arbeitet aus diesem Grund an einem Software-Werkzeug, das Engineering auf eine neue Basis stellt. Ziel ist, Kunden nicht nur fertige Antriebslösungen zu präsentieren, sondern darüber hinaus einen Mehrnutzen zu bieten.
Unser Verständnis von Engineering verlässt die sonst übliche Bustopologie und betrachtet stattdessen den mechanischen Aufbau von Maschinen. Daraus erwächst der Vorteil, dass nicht ausschließlich SPS-Programmierer den Aufbau verstehen. Der Weg über die Mechanik ist greifbar, sichtbar und somit leichter zu realisieren.
Neue Werkzeuge sind auf Bedürfnisse von Kunden in unterschiedlichen Branchen anzupassen. Anwender können dann in ihrer eigenen Sprache und mit eigenen Strukturen arbeiten. Daraus lässt sich der Vorteil ableiten, dass ein Engineering-Tool den Abläufen in einem Unternehmen folgt _ und nicht umgekehrt. Dieser Punkt wird dann interessant, wenn firmenübergreifend über den Vertrieb und die Entwicklung bis zum Service an Projekten gearbeitet wird. Zukünftiges Engineering muss also eins sein _ allgemeinverständlich.
Das Werkzeug, an dem wir bei Lenze arbeiten, folgt einem Projektbaum, der mit dem bekannten Windows-Explorer vergleichbar ist. Diese Struktur lässt sich intuitiv benutzen. Kürzere Einarbeitungszeiten sind das Resultat. Mit der Verzeichnisstruktur gewinnen wir aber nicht nur mehr Übersichtlichkeit, sondern vereinfachen schlichtweg die Betrachtungsweise. Funktionen lassen sich in Ordnern zusammenfassen, Informationen gezielt filtern.
Dahinter steht die Frage, was ein Maschinenbauer wirklich an Informationen braucht, wenn er ein Prozessmodul entwickelt? Wir sind der Ansicht, dass Fragen zur Verschaltung oder Kommunikation hier noch keine Rolle spielen. Ein modernes Engineering soll vielmehr den Entwickler in die Lage versetzten, alles schnell zur Verfügung gestellt zu bekommen, was er für die Projektierung benötigt. Die Verknüpfung der Schnittstellen zu anderen Modulen erfolgt später automatisch.
Mehr Produktivität im Engineering-Prozess heißt aber auch, _das Rad nicht ständig neu zu erfinden_. Der Weg über den Projektbau erlaubt es, einmal entwickelte Maschinenfunktionen in Bibliotheken abzulegen. Aufgebautes Know-how lässt sich also mehrfach nutzen.
Modernes Engineering ist keine Angelegenheit ausschließlich von Antriebstechnikspezialisten. Vielmehr müssen Hersteller zusammenarbeiten, um mit einem gemeinsamen Tool eine komplette Maschine projektieren zu können. Und dazu gehört die Integration von Sensorik genauso, wie Sicherheitstechnik, mechanische Bauteile und Steuerungen. Die Integration lässt sich auch auf weitere Engineeringwerkzeuge ausdehnen. Ich denke hier an CAD-Systeme, mit dessen Daten dann genauso übergreifend gearbeitet werden kann, wie mit Geräten aus der Antriebstechnik. Der Einsatz von Standardinterfaces oder die Beschreibung in XML machen hier den Weg frei für ein neues Vorgehen. |
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