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| Dr.-Ing. Josef Papenfort ist Softwareingenieur in der Grundlagenentwicklung bei Beckhoff, Verl. |
Microsoft hat mit seiner neuen .NET Strategie einen bisher nicht gekannten Paradigmenwechsel durchgeführt. Zum ersten Mal wird ein plattformunabhängiges Programmier- und Betriebssystemmodell vorgestellt. Für .NET erstellte Programme laufen ohne Neucompilation auf dem großen Betriebssystem Windows XP und mit nur geringen Einschränkungen auch auf dem kleinen CE .NET. Dies ist nur möglich mit einer Compilation auf der Zielmaschine. Die standardisierte Zwischensprache MSIL wird in den Maschinencode erst ‚just-in-time‘ (JIT) auf der Zielmaschine compiliert. Der generierte Code wird in einer sogenannten ‚Common Runtime ablauffähig‘. Die Common Runtime managt alle Ressourcen, insbesondere den Speicher, und sorgt mit einem ausgefeilten Konzept zur ‚Garbage Collection‘ für einen aufgeräumten Speicher auch bei unsauberer Programmierung. Zudem wird mit ‚C#‘ eine neue ‚sichere‘Programmiersprache vorgestellt bei der es keine Pointer mehr gibt. Die Zukunftsträchtigkeit dieser Strategie beweisen auch die diversen anderen Hersteller von Programmierwerkzeugen und Programmiersprachen, wie z.B. Borland mit Delphi, die sich .NET kompatibel zeigen oder zeigen wollen.
Wer schon jahrelang mit verschiedenen SPS-Systemen gearbeitet hat, dem kommt das alles schon sehr bekannt vor. Alle gängigen IEC 61131-3 Programmiersysteme arbeiten nach dem gleichen Verfahren. Frontend-Compiler übersetzen die verschiedenen Sprachen der IEC in eine Zwischensprache, die allerdings nicht standardisiert ist. Backend Compiler übersetzen dann plattformabhängig in die Maschinensprache der jeweiligen SPS. Der Code läuft dann in der Runtime ab. Sichere Programmiersprachen sind natürlich in der IEC definiert. Pointer hat es hier noch nie gegeben. Also erst mal nichts Neues. Was ist dann das Besondere von .NET? Es ist die einfache Möglichkeit auf Windows und mit Windows-Hilfsmitteln ein Programm zur Fernwartung, Visualisierung oder Diagnose zu schreiben, das als Web-Service allen Rechnern in der Internetwelt zur Verfügung steht. Da die Kommunikation zwischen Web-Service und Remote-Computer nicht mehr auf der Microsoft COM Technologie beruht, sondern ein viel einfacheres allgemeineres Kommunikationsmodell, basierend auf HTTP und XML - ‚Simple Object Access Protocol‘ (SOAP) genannt - benutzt, gibt es keine Probleme mehr mit Domain-Grenzen und Firewalls. Man benötigt auch nicht unbedingt einen Microsoft-Computer. Auf einem Linux-System oder einem Embedded-System mit Web-Server kann man SOAP einfach implementieren. Damit wird durchgängige vertikale und horizontale Kommunikation auch mit verschiedenen Hard- und Softwareplattformen möglich.
Ein weiterer Vorteil bei fortschreitender Verbreitung von Systemen mit dem Betriebssystem Windows CE besteht darin, dass eine einmal für den großen PC geschriebene Applikation ohne Änderungen auch auf CE laufen kann, wenn sie mit einer .NET Programmiersprache, C# oder ‚VisualBasic.NET‘ geschrieben wurde. Man muss auch keine Angst haben, seinen vorhandenen Quellcode neu schreiben zu müssen. Migrationstools können vorhandene Quellen in die .NET Welt portieren.
Ja, Microsoft .NET wird die Automatisierungswelt auf jeden Fall verändern. Viele Wünsche der Anwender werden sich mit .NET erfüllen. Plattformunabhängigkeit, durchgängige einfache Kommunikation, komfortable Programmierumgebung, hilfreiche Wizards, eine sichere Runtime und vieles mehr. Aber eins bringt .NET nicht: Auch mit .NET erhält man kein echtzeitfähiges NT-Betriebssystem. Um NT mit einer harten Echtzeit auszustatten, bedarf es immer noch einer Erweiterung des Betriebssystems durch Automatisierungsspezialisten wie Beckhoff.
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