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| Dipl.-Ing. CLAUS-PETER KÜHNL, Mitarbeiter im Produktbereich Automatisierung, Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg |
Anwender zahlen nur widerstrebend für die Nutzung von Automatisierungssoftware. Die Softwarepreise werden in Verkaufsgesprächen sowohl vom Hersteller als auch vom Käufer oft als Verhandlungsmasse angesehen. Hohe Rabatte oder die kostenlose Abgabe der Software sind deshalb nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.
Auf der anderen Seite entstehen die Funktionalität sowie die Vorteile einer Automatisierungslösung heute zum großen Teil aus der Software. In modernen Automatisierungssystemen nehmen Wert, Nutzen und Differenzierung des Hardwareanteils stetig ab, so dass es immer schwieriger wird, den Wert der Lösung transparent zu machen und mit der heute üblichen Mischkalkulation von Soft- und Hardware einen Return on Invest zu erzielen.
Vor diesem Hintergrund wird klar, dass mit der Software selbst Geld verdient werden muss. Die getätigten Investitionen müssen sich im Softwareumsatz des Herstellers widerspiegeln. Falls dieser Umsatz nicht realisiert wird, besteht die Gefahr, dass Software-Innovationen aus unternehmerischen Gründen nicht mehr finanziert werden können.
Die Software ist der investitionsintensivste Teil einer Automatisierungslösung. In einer Automatisierungssoftware stecken oft Mannjahrhunderte an Aufwand für Konzeptionierung, Entwicklung und Prüfung. Die zusätzlichen Kosten für Pflege, kontinuierliche Weiterentwicklung, Support, Vertrieb, Marketing etc. sind hier noch nicht eingerechnet. Dies erfordert eine Anfangsinvestition von einigen Millionen Euro. Je nach Absatzmenge sind bis zu einigen Tausend Euro auf ein Softwarepaket als reine Kosten umzulegen.
Um an der Software zu verdienen und einen Deckungsbeitrag zu erzielen, muss der erzielte Umsatz etwa doppelt so hoch wie die verursachten Kosten sein.
Ein aus Herstellersicht fairer Preis liegt damit im Bereich einiger Tausend Euro, was aus Anwendersicht im Vergleich zum Nutzen oft viel zu teuer ist. Ein Problem ist dabei auch, dass es sich um einen großen Investitionsposten pro Arbeitsplatz handelt, der viele kleine Unternehmen auch aufgrund von „Basel II“ abschrecken kann.
Möglicherweise gibt es andere Ansätze, um Software aus Sicht von Nutzer und Hersteller fair zu behandeln. Ein sinnvoller Weg könnte sein, dass man sich im Bereich der Engineering-Software vom klassischen Produktmodell entfernt, welches Software mit einer Lizenz in einem Paket mit einem einmaligen Paketpreis definiert. Software sollte anders als ein mit hohen Reproduktionskosten behaftetes Hardwareprodukt behandelt werden. Engineering-Software bietet im Automatisierungsbereich eine Funktion, die nur nach ihrem Nutzen und bezahlt werden sollte, da der Anwender sie auch nur nach ihrem Nutzen beurteilt.
Neue Lizenzmodelle auf Basis von Leasing, Miete oder Pay per Use könnten die Akzeptanz von Softwarekosten im Automatisierungsbereich erhöhen, durch die nicht zu kalkulierenden Investitionskosten sowie aufgrund der ständigen Softwarepflege.
Auch könnte das Problem der vielen Softwareversionen sowie der „Featuritis“ gelöst werden. Heute verdienen Hersteller nur an neuen Versionen mit neuen Features, da die Anwender gezwungen sind, neue Pakete zu kaufen. Beim Pay-per-Use können die Hersteller an der kontinuierlichen Nutzung verdienen und sich dabei auf die Verbesserung viel genutzter Funktionen konzentrieren.
Was darf also Software kosten? Warum sollte der Anwender für eine gute Automatisierungssoftware nicht zehn Cent pro Minute oder hundert Euro im Monat bezahlen? |
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