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| Dr.-Ing. RAINER STETTER, Vorstandsmitglied des Fachverbands Software im VDMA und Geschäftsführer ITQ GmbH, München |
Was etwas kosten darf, hängt einerseits davon ab, welche Werte eingesetzt wurden, um diese herzustellen. Andererseits wird aber der Preis der für ein Gut erzielbar ist, maßgeblich dadurch beeinflusst, welche Wertschätzung der Anwender/Käufer dem zu erstehenden Gut beimisst. Während die Kosten für die Erstellung sehr gut über betriebswirtschaftliche (harte) Faktoren ermittelt werden kann, hat die Wertschätzung in hohem Maße etwas mit Emotionen zu tun.
Dass Emotionen (also Ir-Rationalitäten) im Umfeld der Automatisierungstechnik eine Rolle spielen, scheint auf den ersten Blick sehr verwunderlich. Eigentlich sollte man glauben, dass in der Investitionsgüterindustrie anders als im Konsumgüterbereich Entscheidungen rein auf Basis von technischen und betriebswirtschaftlichen Aspekten gefällt wird. In Sachen Software scheinen diese Grundgesetze aber völlig außer Kraft gesetzt zu sein.
Das liegt an einer Reihe von Gründen. Früher (oft auch noch heute) wurde Software einfach verschenkt. Daran haben sich sowohl die Kunden als auch die Vertriebsmitarbeiter gewöhnt. Diese von beiden Seiten lieb gewonnene Tradition möchte so ohne weiteres natürlich auch niemand aufgeben. Erschwert wird dies durch den Umstand, dass weder ein Fachmann geschweige denn ein Laie einem Produkt von außen ansieht, wie hoch der Softwareanteil ist bzw. welche Kosten erforderlich waren, um die Software zu erstellen. Dies ist um so fataler, da heute bereits vielfach der Anteil der Entwicklungskosten für Software bei 40-50% liegt. Mit dem gestiegenen Softwareanteil sind natürlich nicht nur die Kosten deutlich gestiegen, sondern natürlich auch der Mehrwert/Funktionalität für den Kunden. Während die gesteigerte Leistungsfähigkeit gerne angenommen wird, sieht es mit dem Willen dafür Geld auszugeben, wesentlich schlechter aus.
Dieses Dilemma zwischen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit Geld mit Software zu erzielen und dem Anspruchsdenken Software möglichst gratis als Beigabe zu erhalten, zu lösen, ist eine der zentralen Herausforderungen der Automatisierungsbranche. Um einen Beitrag hierzu zu leisten, arbeitet der VDMA-Fachverband Software auf verschiedenen Ebenen intensiv daran die Kommunikation zwischen den Disziplinen zu schärfen und für alle Parteien Vorlagen für ‚gesunde‘ Vorgehensweisen zu entwickeln. Im Zuge dieser Arbeiten wurden verschiedene Leitfäden beispielsweise zum Thema Spezifikation von mechatronischen Systemen entwickelt. Ganz aktuell wird an einem Leitfaden zum Thema Software-Ergonomie gearbeitet. Gleichzeitig unterstützt der VDMA Forschungsvorhaben zum Thema interdisziplinäres Projektmanagement. Weitere Anknüpfungspunkte und Kommunikationskeimzellen werden in sogenannten ErFas (Erfahrungsaustausch-Veranstaltungen) gezielt gesät, welche in der nächsten Zeit systematisch in den verschiedenen VDMA-Fach- und Landesverbänden durchgeführt werden.
Durch diese auf verschiedene Organisationshierarchien in den Unternehmen zielende Vorgehensweise soll flächendeckend bei den VDMA-Mitgliedsunternehmen ein den heutigen technischen Notwendigkeiten entsprechendes Verständnis für das Thema Software entwickelt werden. Nur so kann das ganzheitliche Ziel erreicht werden, dass Software das kosten kann, was ihrem Stellenwert in der technischen Lösung entspricht. |
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