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| Dipl.-Ing. JÖRG KUBAS, Key Account Manager der INAT GmbH in Nürnberg |
Der Markt für Software entwickelte sich weltweit zu einem wirtschaftlichen Schlüsselbereich. Auch wenn die Software-Unternehmen im Jahr 2002 nur ein Umsatzwachstum von 0,1 Prozent verzeichnen konnten, ist ein Ende des Software-Booms noch nicht in Sicht. In Zukunft erwarten die Experten wieder deutlichere Wachstumsraten. Dies sollte Anlass genug sein, den Wert des digitalen Wirtschaftsgutes Software, die daraus resultierenden Folgen, sowie die Bedeutung der Software für die gesamte Wirtschaft zu betrachten.
Software kann zu geringen Kosten beliebig oft und via Internet weltweit verbreitet werden. Darüber hinaus kann sie, anders als bei analogen Medien, verlustfrei vervielfältigt werden. Die Kopierbarkeit ermöglicht es auch, nur einzelne Teile (Komponenten) zu duplizieren, diese anschließend in anderen Programmen weiterzuverwenden und weiter zu entwickeln.
Dies bringt jedoch auch Nachteile mit sich: Eine Kontrolle über die Vervielfältigung ist, wenn überhaupt, nur schwer möglich. Programme werden illegal kopiert und zum Schaden der Softwareindustrie kostenlos ausgetauscht. Schätzungen der Business Software Alliance zeigen, dass der Softwarebranche durch Raubkopien bei allgemeiner Standardsoftware alleine in den letzten 3 Jahren ein Schaden von ca. 10 Milliarden Euro entstand.
Die Softwarepiraterie gefährdet zudem auch Arbeitsplätze. Der dadurch entstandene Umsatzrückgang in der Softwarebranche setzt sich bei der Zulieferindustrie fort. Ein Arbeitsplatz bei einem Softwarehersteller bindet etwa sieben Mitarbeiter in verbundenen Unternehmen.
Auch im Bereich industrieller Software wird häufig noch deren Wert verkannt. Doch gerade hier werden besonders hohe Anforderungen an die Zuverlässigkeit gestellt.
Gewinne lassen sich heute kaum noch durch eine Massenproduktion von Software, sondern nur durch Differenzierungen erwirtschaften. Entscheidend ist hier die präzise auf den Anwendungsfall zugeschnittene Lösung. Weil es bei nicht greifbaren Werten (Software) keine Massenproduktion gibt, sondern nur eine quasi Einzelfertigung, lässt sich deren Herstellung auch nicht in der Weise forcieren, wie es aus der Produktion von materiellen Gütern bekannt ist - Spitzenleistung ist nicht durch Masse ersetzbar.
Man kann die Entwicklung komplexer Software durchaus mit anderen ‚Geisteswerken‘ vergleichen - etwa mit dem Schreiben eines Romans. Auch hier gilt meist, dass ein solcher Brei mit der Anzahl der Köche nicht besser wird - im Gegenteil. Dort wo es auf Gehirnlaufzeit statt auf Maschinenlaufzeit ankommt, versagt unser auf Quantität basierender Qualitätsbegriff.
Bei Softwareprodukten zählt die Qualität der eingeflossenen Ideen und nicht die darauf verwandte Arbeitszeit - bei einem Roman bewertet man auch nicht die Anzahl der Zeilen oder die geschriebenen Stunden. Diese Exklusivität, die Tatsache also, das Innovation und Anwendernutzen in einer Software integriert sind, bestimmen einen hohen Mehrwert und somit einen guten Umsatz - so lange bis es genügend Konkurrenzprodukte gibt.
Der Wert dieser Software wird nach anderen Regeln, als der Wert herkömmlicher Güter gemessen. Gold ist selten und somit kostbar, bei Software genau umgekehrt: Ihr Wert nimmt zu, je häufiger es sie gibt und die Wertschöpfung findet dann vor allem bei der Bewältigung von Ausnahmesituationen - also bei allem, was den kreativen Umgang mit Unvorhergesehenem verlangt. Und - je schneller sie sich verbreitet, desto eher wird sie zum de facto Standard und damit auch zu einer Ausgangsbasis für Folgegeschäfte.
Fazit: Solange der Wert einer Software über den aktuellen und innovativen Nutzen definiert wird, solange lassen sich die zugesicherten Eigenschaften und Funktionalitäten auch nicht über eine ‚Honorarordnung‘ vergüten. |
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